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  1. J.P. Morgan Asset Management Österreich
  2. Insights | Market Insights, Guide to the Markets & mehr

John Bilton, CFA,
Global Head of Strategic Research, Multi-Asset Solutions

In brief

  • Wenn Sie versuchen, den Markt zeitlich abzupassen und zu hohe Barmittel halten, kann das zu einer langfristigen Underperformance Ihres Portfolios führen. Auf lange Sicht investiert zu bleiben, lohnt sich, um vom Zinseszins zu profitieren.
  • Über nahezu jeden Zeithorizont oder jede Region haben sich ausgewogene Portfolios – wie ein 60/40-Mix aus Aktien und Anleihen oder ein 60/40-Portfolio, das alternative Anlagen einschließt – besser entwickelt als Barmittel, sowohl auf nominaler als auch realer Basis. 
  • Die Tendenz, frühzeitig aus Gewinnern auszusteigen und Verlierer zu lange zu halten, zeigt sich bei allen Anlegern und allen Marktbe dingungen, ist jedoch bei Privatanlegern besonders ausgeprägt.
  • Selbst in schwierigen Phasen, wie den „verlorenen Jahrzehnten” Japans, haben sich diversifizierte Portfolios erholt. Markterholungen zu verpassen, reduziert die langfristigen Gewinne erheblich. 
  • Auch wenn hohe Bewertungen die erwarteten Renditen schmälern, liefern sie kein zuverlässiges Signal für den Zeitpunkt einer Marktkorrektur. Anlegerinnen und Anleger können heute aus einer großen Bandbreite von Anlagevehikeln auswählen, die kostengünstig und steuereffizient sind und einfachen Zugang zu einem diversifizierten Anlageportfolio bieten. Unseres Erachtens halten der typische Privatanlegende im Durchschnitt immer noch mehr Barmittel, als es für langfristige Ziele optimal wäre.
  • Die richtige Balance finden

  • Der Jäger und der Bauer

  • Ein mühsamer Kampf gegen die Psychologie

  • Zwei Gewohnheiten, die Ihr Vermögen dezimieren

  • Investieren und investiert bleiben

Über nahezu jeden Zeithorizont und nahezu jede Region übertreffen ausgewogene Anlageportfolios Barmittel sowohl auf nominal als auch real, und das ist empirisch belegt. Portfolios können sich erheblich untereinander unterscheiden: von einer einfachen ausgewogenen Allokation in Aktien und Anleihen bis hin zu komplexen globalen Multi-Asset-Portfolios, die sowohl öffentliche als auch private Vermögenswerte halten. Es besteht kein Zweifel daran, dass es für jede Art von Sparern ein passendes Portfolio gibt. Ein einfach strukturiertes ausgewogenes Portfolio – das globale1 60/40-Portfolio – übertrifft Barmittel in 79% der Fälle über einen 1-Jahres Horizont und 97% der Fälle über einen 5-Jahres-Horizont.2 Real und in Lokalwährung sind 100 US-Dollar, die vor 25 Jahren in einem solchen Portfolio investiert wurden, heute inflationsbereinigt 258 US-Dollar wert. 100 US-Dollar in bar sind über den gleichen Zeitraum heute nur 86 US-Dollar wert (Abbildung 1).

Ein globales 60/40-Portfolio in den letzten 25 Jahren hohe Realrenditen erzielt, während der reale Wert von Barmitteln gesunken ist.

Abbildung 1: Reales Wachstum eines globalen 60/40-Portfolios ggü. Barmitteln seit 2000
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Quelle: Bloomberg, JP Morgan Asset Management; Daten bis Januar 2026.

Dies gilt auch im Euroraum: 100 Euro, die vor 25 Jahren in ein 60/40-Portfolio investiert wurden, sind heute 236 Euro wert – im Vergleich zu 100 Euro, die in Barmittel nur 89 Euro wert sind. Auch im Falle des Yen sind 100 Yen, selbst unter Berücksichtigung längerer Deflationsphasen, in einem 60/40-Portfolio auf 375 Yen angewachsen, während sie in bar nur 87 Yen wert sind.

Diese Renditen erreichen Sie, indem Sie investieren und investiert bleiben. Die Vergangenheit zeigt uns, dass der Zinseszinseffekt Vermögen baut. Dennoch tappen Sparer und Anleger oft in diese beiden Fällen, die sie teuer zu stehen kommen: Sie versuchen, den Markt zeitlich abzupassen (was selbst für erfahrene Finanzexperten schwierig ist) und halten zu hohe Bestände an Barmitteln. Für viele Sparer reduziert die Tendenz, Vermögenswerte zu kaufen, die sich bereits gut entwickelt haben, und sie bei einer Panik am Markt zu verkaufen, die Renditen erheblich. Überschüssige Barmittel geben oft ein sicheres Gefühl. Aber obwohl Barmittel in Bezug auf das Marktrisiko ein risikofreier Vermögenswert sind, untergräbt die Inflation ihre Kaufkraft. Barmittel gehen über einen Konjunkturzyklus auch mit überdurchschnittlichen Reinvestitionsrisiken einher.

 

Anleger verweisen heutzutage auf die teuren Bewertungen als Grund dafür, dass sie sich nicht am Markt beteiligen und an ihren Barmitteln festhalten. Wir finden auch, dass die Bewertungen ausgereizt sind. Aber auch wenn hohe Bewertungskennzahlen die erwarteten Renditen belasten, liefern sie kein zuverlässiges Signal für den Zeitpunkt einer Marktkorrektur.

Die Finanzpresse und die sozialen Medien können dieses ungünstige Anlegerverhalten noch verstärken. Mit Panik lassen sich Zeitungen verkaufen und Klicks generieren. Kein Wunder also, dass hysterische Schlagzeilen zu Bärenmärkten die Angst der Anleger erhöhen und das Risiko von Investitionen übertreiben. Soziale Medien haben währenddessen zur Gamifizierung von Anlagen beigetragen. Das kann bedeuten, dass Anleger zu spät in Vermögenswerte einsteigen, die bereits stark zugelegt haben.
 
Im Folgenden sprechen wir über die Fakten und Mythen einer erfolgreichen langfristigen Anlage. Wir berufen uns dabei auf die Anlageprinzipien3 unseres Market Insights Team. Wir untersuchen, was Sparer davon abhält, auf lange Sicht optimal investiert zu sein, und welche Strategien dabei helfen können, die Verhaltenstendenz auszugleichen, zwischen zu großer Vorsicht und unberechtigtem Optimismus zu schwanken – ein Instinkt, der allen Menschen innewohnt.
 
Natürlich ist es nicht überraschend, dass ein Vermögensverwalter für Investitionen plädiert. Wir können aber belegen, dass selbst eine konservative Allokation Barmittel während zahlreicher Zeithorizonte übertrifft. Wir prüfen auch, wie man Bewertungen und verschiedene Risikoelemente, die sich auf alle Arten von Portfolios auswirken, objektiv analysieren kann.
 

1 U.S. aggregate bonds comprise ca. 40% U.S. Treasuries across maturities, 30% mortgage-backed securities and 30% investment grade credit.
2 MSCI ACWI/U.S. aggregate bond 60/40 vs. 3-month T-bill index, monthly data for last 25 years, annualized average of rolling 1 year and 5 year return differential, average 60/40-cash over 1 year is 6.0% (positive 79% of the time), over 5 year is 5.3% (positive 97% of the time).
3 “Principles for successful long-term investing,” J.P. Morgan Asset Management.

Anleger und allgemeiner die Wall Street werden in der Presse gern als Jäger dargestellt, die ihre Beute beobachten, verfolgen und einfangen. Aber für die meisten professionellen Anleger ist das Motto „Eat what you kill” so alt wie Laufschrift und klotzige Mobiltelefone. Das passt vielleicht nicht in das überholte Narrativ der Medien, aber eigentlich sind Anleger eher wie Bauern als Jäger. 

Ein Bauer schafft sein Vermögen, indem er auf seinen Feldern (Märkten) anbaut, das Wetter (Marktrisiken) kennt und Pflanzen (Vermögenswerte) aussät (Barmittel), die später zu einer Ernte (Renditen) führen. Ein Bauer wiederholt diesen Prozess Jahr um Jahr, um ein erfolgreiches Gut zu haben, und weiß, dass manche Jahre besser sein werden als andere. Bauern wachen nicht jeden Tag auf und versuchen, dem Wetter ein Schnippchen zu schlagen. Sie säen, pflegen, verwalten und warten auf ihre Ernte. Ein Jäger hingegen glaubt, dass man Zeitpunkte abpassen, flexibel sein und entschieden handeln muss. Große Teile der Vergangenheit sprechen dafür, dass Bauern in der Regel wohlhabender sind als Jäger. 

Einige Sparer wären gern wie Jäger und versuchen, Märkte abzupassen, die von Faktoren außerhalb ihrer Kontrolle bestimmt werden. Sie handeln entschieden, aber oft genau zum falschen Zeitpunkt und mit katastrophalen Folgen. Andere sind lieber Bauern, behalten aber einen zu großen Anteil ihres Saatguts (ihre Barmittel) zurück, weil sie auf die perfekten Bedingungen warten. Dadurch verpassen sie aber viele gute Ernten. 

Diese Metapher ist nicht neu, aber aussagekräftig. Das Ziel von Anlegern ist das Ernten von Risikoprämien: Auf lange Sicht sind Risikoprämien in der Regel positiv. Das bedeutet: Wenn wir säen, ernten wir. Die Wetterbedingungen – oder das Marktrisiko – können sich plötzlich wenden und manchmal die Ernte vernichten. Aber nur selten zerstört schlechtes Wetter ein Gut, das Fruchtfolge betreibt und seine Ernte diversifiziert.

Die wenigsten Anleger oder Sparer werden der empirischen Tatsache widersprechen, dass sich Aktien auf lange Sicht in der Regel besser entwickeln als Anleihen, die wiederum Barmittel übertreffen. Je größer die potenziellen kurzfristigen Preisschwankungen, desto größer sind die langfristigen Aussichten.3 Anleger konzentrieren sich jedoch oft eher auf die kurzfristige Volatiltät als auf den langfristigen Erfolg. 

Diese Tendenz ist unter Privatanlegern besonders ausgeprägt.4,5,6 Sie halten nach Markttiefs oft viel zu viele Barmittel für zu lange, und steigen in Bullenmärkten erst spät in riskantere Vermögenswerte ein, wenn das Momentum die Preise schon stark nach oben getrieben hat. Branchenumfragen7,8 zufolge halten Privatanleger auf lange Sicht rund ein Viertel ihrer investierbaren Vermögenswerte in bar. Empfohlen wird aber generell eine Allokation von 5 bis 10%. Viele Anleger erhöhten ihre Barallokation während der Volatilität der Covid-Pandemie, zögerten jedoch mit ihren Investitionen, als sich der Markt wieder erholte. Auf lange Sicht können diese Verhaltensmuster langfristige Portfoliorenditen um über 100 Basispunkte pro Jahr reduzieren.9

DEin ähnliches Phänomen ist als Dispositionseffekt bekannt. Das bedeutet, dass man aus Gewinnern zu früh aussteigt und Verlierer zu lange hält.10 Bis zu 70%der Privatanleger11 neigen zu diesem Dispositionseffekt, was ihre Renditen erheblich beeinträchtigt. Professionelle Anleger sind gegen diesen Effekt nicht gefeit. Aber die Disziplin und Sicherheitsfunktionen ihres Anlageprozesses können die Folgen dieser Tendenz minimieren. 

Soziale Medien haben bestimmte psychologische Vorurteile (wie den Dispositionseffekt) verstärkt und zur Gamification des Investierens beigetragen. Soziale Medien verstärken die Reaktion von Anlegern auf Schlagzeilen, was Volatilität und Handelsvolumen erhöht, insbesondere unter Einzelanlegern. Handelsplattformen mit Gamification Elementen erhöhen die Handelsfrequenz und die Risikobereitschaft und verstärken Handelstendenzen. Empirische Studien deuten darauf hin, dass Nutzer solcher Plattformen jährlich um 3 bis 5% hinter Privatanlegern zurückbleiben, die solche Tools nicht verwenden.12 

Obwohl die Vorteile langfristiger Investitionen auf der Hand liegen, gibt es Phasen, in denen selbst ein gut gebautes ausgewogenes Portfolio Verluste macht. Während der beiden „verlorenen Jahrzehnte” in Japan von den frühen 1990er Jahren bis zum Beginn von „Abenomics”13 blieben die rollierenden 3-Jahres-Realrenditen eines 60/40- Portfolios in 46% der Fälle hinter Barmitteln zurück. Während des gesamten Zeitraums erzielte das 60/40- Portfolio jedoch um 75 Basispunkte höhere annualisierte Renditen als Barmittel. In den zehn Jahren, die auf die Eurokrise Anfang der 2010er Jahre folgten, blieben die rollierenden 3-Jahres-Realrenditen eines 60/40-Portfolios in Euro in 17% der Fälle hinter Barmitteln zurück. Jedoch übertreffen die annualisierten Renditen des 60/40- Portfolios Barmittel um über 500 Bp, (Abbildung 2A und Abbildung 2B). 

In beiden Fällen entwickelten sich andere Märkte weiterhin gut. Globale Aktien entwickelten sich während der verlorenen Jahrzehnte und der Eurokrise stark, und beide Märkte erzielten hohe Renditen. Für Anleger, die diesen Verlusten ausgesetzt waren, wäre die beste Reaktion nicht ein Abwarten, sondern die Diversifizierung gewesen.

Längere Phasen wirtschaftlicher Schwäche kann höhere Volatilität bei den Renditen bedeuten. Die Diversifikation eines investierten Portfolios über Regionen hinweg ist der Flucht in Barmitteln jedoch vorzuziehen

Abbildungen 2A und 2B: Renditen eines lokalen 60/40-Portfolios in JPY ggü. Barmitteln in den „verlorenen Jahrzehnten” Japans und Renditen eines lokalen 60/40-Portfolios in Euro ggü. Barmitteln
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Quelle: LSEG Datastream, J.P. Morgan Asset Management. Die bisherige Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle oder zukünftige Wertentwicklung. Guide to the Markets – EMEA. Stand der Daten: 31. Oktober 2025. Hinweis: lokales 60/40/Portfolio in JPY, MSCI Japan/Japan Aggregate Bonds, verlorene Jahrzehnte definiert als Zeitraum von Dez. 1992 bis Dez. 2012 (die beiden Jahrzehnte vor Beginn von Abenomics); lokales 60/40-Portfolio in Euro, MSCI Europe/EU Aggregate Bonds, Eurokrise und ihr Nachspiel definiert als Zeitraum von Dez. 2009 bis Dez. 2019.


4 Maarten Van Rooij, Annamaria Lusardi and Rob Alessie (), “Financial Literacy, Retirement Planning and Household Wealth,” Economic Journal 122, no. 560 2012.
5 John Y. Campbell, “Household Finance,” Journal of Finance 61, no. 4, 2006.
6 Brad M. Barber and Terrance Odean, ”The Behavior of Individual Investors,” Handbook of the Economics of Finance, ed. George M. Constantinides, Milton Harris and René M. Stulz, vol. 2, Elsevier, 2013.
7 Empower/The Currency average portfolio mix by investor age, October 2025.
8 American Association of Individual Investors: Asset Allocation Survey, data set from 1987 to present.
9 Analysis of rolling 10yr realized USD 60/40 returns from 1995 to present with 0%, 5%, 10%, and 25% cash weightings
10 From Gemini: The disposition effect in behavioral finance is the irrational tendency for investors to sell assets with gains too early (to lock in profits) and hold onto assets with losses for too long (hoping for recovery)
11 Summary of industry studies including: Brad M. Barber, Terrance Odean and Ning Zhu, “Do Retail Trades Move Markets?” Review of Financial Studies 22, no. 1, 2009. and Ravi Dhar & Ning Zhu, Up Close and Personal: An Individual Level Analysis of the Disposition Effect Yale ICF Working Paper No. 02-20 Mar 2002
12 J. Anthony Cookson, Joseph Engelberg & William Mullins, “Echoes of a Market Crash: Evidence from Retail Investors in the COVID-19 Pandemic,” Journal of Finance 76, no. 5, 2021; Philipp Chapkovski, Mariana Khapko, and Marius Zoican, Trading gamification and investor behavior, October 2023; and Brad M. Barber, Xing Huang, Terrance Odean & Christopher Schwartz, “Attention Induced Trading and Returns: Evidence from Robinhood Users,” Journal of Finance 78, no. 2, 2023.
13 Abenomics refers to the economic reforms initially enacted by Shinzo Abe from late 2012 onwards

Sowohl professionelle als auch Privatanleger müssen die beiden Hauptfaktoren einer langfristigen PortfolioUnderperformance verstehen – und vermeiden. Dies ist heute wichtiger denn je, da der Konjunkturzyklus fortgeschritten ist und die Bewertungen ausgereizt sind. Die beiden Hauptfaktoren sind, wie bereitserwähnt, das Market Timing und zu hohe Bestände in bar.

Die Gefahren des Market Timing 

Warum versuchen so viele Anleger, die Märkte zeitlich abzupassen? Untersuchungen des Anlegerverhaltens deuten darauf hin, dass die Verlustangst für viele Anleger wesentlich schwerer wiegt als die Freude am Zinseszins. 6,14 Anders gesagt: Verluste sind plötzlich und schmerzhaft, während sich Gewinne allmählich ansammeln.

Market Timing gefährdet Ihr Vermögen: Bis zu 90% der Portfoliorenditen können auf die Vermögensallokation zurückgeführt werden und nicht auf Market Timing,15 und Anleger, die häufig handeln, erzielen Renditen, die bis zu 500 Basispunkte niedriger sind als die Renditen des durchschnittlichen Privatanlegers auf lange Sicht.16 Anders gesagt, bedeutet eine Buy-and-Hold-Strategie, einen Handel richtig zu machen. Market Timing bedeutet, dass man bei mindestens zwei Transaktionen richtig liegen muss, um auf lange Sicht das gleiche Ergebnis zu erzielen.

Professionelle Anleger sind sich dieser Herausforderung bewusst. Wenn sie versuchen, den Markt zeitlich abzupassen, zielen sie darauf ab, die Auswirkungen auf das Gesamtportfolio zu reduzieren. Selbst wenn sie Gewinne mitnehmen oder Positionen absichern, sehen sie ihre Anlagen an den Märkten als dynamischen Ausdruck dafür, in welchem Ausmaß sie für ein bestimmtes Wirtschaftsrisiko entschädigt werden. Allokationsentscheidungen beruhen daher weniger auf kurzfristigem Market Timing als auf der laufenden Bewertung relativer Risikoprämien. 

Da die geopolitischen Risiken derzeit als höher eingeschätzt werden, sind einige Anleger versucht, die Märkte abzupassen. Selbst in einem angespannteren politischen Umfeld17 ist das vorherrschende geopolitische Risiko relative gering (Abbildung 3).18

Die geopolitischen Risiken sind höher als ihre langfristigen Tiefs, liegen aber immer noch deutlich unter ihrem Höhepunkt. Unterdessen ist die politische Polarisierung heute besonders ausgeprägt.

Abbildung 3: Der Index für geopolitische Risiken und Kennzahlen für politischen Extremismus in den letzten 75 Jahren.
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Quelle: Caldara & Iacoviello, „Measuring Geopolitical Risk”, Arbeitspapier, Zugriff auf https://www.matteoiacoviello.com/gpr.htm Daten aus dem historischen GPR-Index vor 1985 und dem aktuellen GPR-Index danach;https://populismindex.com/, Timbro, https://www.epicenternetwork.eu/ wp-content/uploads/2024/04/Populism-Index-2024-Compressed.pdf, Daten bis 2023; *Daten für 2024 und 2025 geschätzt anhand des gewichteten Stimmenanteils bei Wahlen in wichtigen europäischen Ländern.

Bemerkenswert ist auch, wie wenig sich geopolitische Faktoren auf die langfristigen Renditen eines ausgewogenen Portfolios auswirken und wie kurzlebig diese Auswirkungen sind. Ein Anleger, der jeweils einen Monat vor jedem der zwölf VIX-Höhepunkte seit 1990 in ein 60/40-Portfolio investierte, erzielte nach einem Jahr in 75% der Fälle eine um durchschnittlich 7% höhere Rendite als Barmittel. Das Portfolio entwickelte sich in 100% der Fälle nach drei Jahren besser als Barmittel, und zwar um durchschnittlich 22% (Abbildung 4). 

Nach Schocks übertreffen 60/40-Portfolios Barmittel in 75% der Fälle um durchschnittlich 7% nach einem Jahr und in 100% der Fälle um durchschnittlich 21% nach drei Jahren

Abbildung 4: 60/40-Portfolio in USD ggü. Barmitteln unter Annahme einer Anlage, die im Monat vor einem Schock getätigt wurde
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Quelle: Bloomberg, NBER, JP Morgan Asset Management, Caldara, Dario & Matteo Lacoviello (2021), „Measuring Geopolitical Risk”, Arbeitspapier, Board of Governors of the Federal Reserve Board, November 2021; Stand der Daten: Januar 2026; Hinweis: Das 60/40-Portfolio in US-Dollar ist ein einfaches S&P500/US-Treasury-Index-Portfolio ggü. dem 3-Month T-Bill Index

Bewertungen sind ein weiterer Faktor, der die Anleger von heute zum Market Timing veranlasst. Hohe Bewertungen belasten die langfristigen Renditen, etwas, das wir bei unseren LTCMA-Prognosen anerkennen (Abbildung 5). Bewertungen sind jedoch ein schlechtes Signal für Versuche, den Markt zeitlich abzupassen. Nehmen Sie als Beispiel zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnisse (CAPE), die derzeit im historischen Vergleich erhöht sind. Zwar ist die langfristige Vorhersagekraft des CAPE für die erwarteten Renditen statistisch signifikant, doch ist sie hinsichtlich des Zeitpunkts ungenau.

Hohe Bewertungen wirken sich negativ auf die langfristigen (mehr als zehn Jahre) Renditeaussichten aus, doch sind Bewertungen ein schlechter Indikator für das Market Timing

Abbildung 5: Aktienrenditen-Bausteine unserer LTCMA-Prognosen
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Quelle: Bloomberg, Factset, JP Morgan Asset Management, Stand der Daten: Januar 2026.

Anleger, die sich am Market Timing versuchen, sollten auch den „Clustering-Effekt” berücksichtigen, bei dem die besten Tage des Marktes oft unmittelbar auf die schlechtesten Tage folgen. Tatsächlich könnten die immer kürzeren und heftigeren Korrekturen, die wir seit der globalen Finanzkrise beobachten, diesen Faktor noch verstärken. Da Anleger selten flexibel genug sind, um schnell aus- und wieder einzusteigen, können die verpassten hohen Gewinne, die oft auf ein Markttief folgen, tiefgreifende und langfristige Auswirkungen auf die Portfoliorenditen haben (Abbildung 6A und Abbildung 6B).

Nach der globalen Finanzkrise haben sich die Rallys nach Markttiefs beschleunigt

Abbildungen 6A und 6B: Performance des S&P500 nach einem Markttief 1950 bis zur Finanzkrise und nach der Finanzkrise 
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Quelle: Yardeni Research Inc., Bloomberg, JP Morgan Asset Management; Stand der Daten: Januar 2026

(Über-)Investition in Barmitteln 

In unserer Metapher sind Barmittel das Äquivalent von Saatgut in der Scheune. Es weist nicht das Dürrerisiko der angebauten Pflanzen auf (Gesamtverlust), ist aber dennoch anderen Risiken ausgesetzt. In einem Portfolio sind Barmittel vielleicht nicht dem Marktrisiko anderer Vermögenswerte ausgesetzt, aber sie weisen ein erhebliches Reinvestitionsrisiko auf. Die Zentralbanken senken die Barrenditen oft schon bei den ersten Anzeichen wirtschaftlicher Schwierigkeiten, was die Reinvestitionsrenditen schnell untergräbt. Das Saatgut nicht auszusäen – oder überschüssige Barmittel nicht zu investieren – ist keine aufgeschobene Entscheidung, sondern eine vermiedene Entscheidung. 

Zwar können Anleger durch einen geringen Anteil an liquiden Mitteln von Marktvolatilität profitieren, doch ist es wichtig, den renditemindernden Effekt hoher Barhaltung zu begrenzen. Wie bereits erwähnt, liegen bis zu 23% der Anlagen von Privatanlegern in bar vor. Das bedeutet, dass im Vergleich zu einem vollständig investierten Portfolio im Jahr 2025 Renditen in Höhe von 300 Basispunkte ungenutzt bleiben. In den fünf Jahren seit Beginn der Pandemie hätte eine ähnliche Barallokation dazu geführt, dass ein 100-Millionen-Dollar-Portfolio auf potenzielle Gewinne in Höhe von 5,4 Mio. US-Dollar verzichtet hätte; inflationsbereinigt entspricht dies einem realen Verlust von 4,3 Mio. US-Dollar im Vergleich zu einem vollständig investierten Portfolio. 

Einige Sparer sind der Ansicht, dass Bargeld einen Schutz unter widrigen Marktbedingungen bietet. Wenn man aber ein sinkendes Wachstum befürchtet, könnten Anleihen die bessere Wahl sein. Genau dieselbe geldpolitische Maßnahme – die Senkung der Zinsen –, die bei Bargeld ein Wiederanlagerisiko mit sich bringt, wirkt sich bei Anleihen als starker Renditetreiber aus.

Unterdessen könnten Anleger, die befürchten, dass die Inflation ihre Renditen schmälert, die Rolle von Sachwerten oder Rohstoffen in diversifizierten Portfolios in Betracht ziehen. Zwar können sich Barmittel bei einer steigenden Inflation relativ gut behaupten; sie sind dennoch einem Verlust der Kaufkraft ausgesetzt. Und wenn Barmittel nicht schnell anderswo eingesetzt werden, werden sie diese Kaufkraft nicht zurückerlangen, solange keine Deflation eintritt. Anlagen mit einer bestimmten Laufzeit können einen Teil der Verluste wieder ausgleichen, und da Aktien im Nominalbereich Renditen erzielen, kann sich ein 60/40- Portfolio von einem unangenehmen Inflationsschub in einer Weise erholen, wie es die Kaufkraft von Barmitteln nicht kann.


 

14 Macrosynergy: understanding the disposition effect (webpage)
15 Gary P. Brinson, L. Randolph Hood and Gilbert L. Beebower, “Determinants of Portfolio Performance,” Financial Analysts Journal 42, no. 4, 1986 and Gary P Brinson, Brian D. Singer and Gilbert L. Beebower, “Determinants of Portfolio Performance II: An Update,” Financial Analysts Journal 47, no. 3, 1991.
16 Brad M. Barber and Terrance Odean, “Online Investors: Do the Slow Die First?" Review of Financial Studies 15, no. 2, 2002; Brad M. Barber and Terrance Odean, Trading Is Hazardous to Your Wealth: The Common Stock Investment Performance of Individual Investors, Journal of Finance, Vol 4, No. 2 April 2000; and Alexandra van Geen, Johan Bonekamp, Loan van Hoeven, Mark Wielstra, Comparing Wealth Effects of Saving and Index Investment, Dutch Authority for the Financial Markets, March 2022.
17 Andreas Johansson Heinö, Authoritarian populism index, Timbro, 2024.
18 Dario Caldara and Matteo Iacoviello, “Geopolitical Risk (GPR) Index, https://www.matteoiacoviello.com/gpr.htm.

Angesichts eines Kursanstiegs von 187% bei US-Aktien seit Beginn der Pandemie, der durch eine Phase zweistelliger Inflationsraten und in jüngster Zeit durch die höchsten Bewertungskennzahlen seit der Dotcom-Ära getrübt wurde, ist es nicht verwunderlich, dass Anleger sich nun Gedanken darüber machen, wie sie ihr Kapital am besten einsetzen sollen. Dennoch entsprechen unsere 10-Jahres Renditeprognosen für ein globales 60/40-Aktien-Anleihen Portfolio von 6,4% in US Dollar und 5,4% in Euro in etwa dem 25-Jahres-Durchschnitt.

Über einen Konjunkturzyklus sinkt die prognostizierte Aktien-Anleihe-Grenze und flacht ab, wenn die Aktienbewertungskennzahlen steigen und die Anleiherenditen zunehmen. Die Effizienzgrenze hat sich seit der Pandemie abgeflacht, impliziert aber immer noch eine gewisse positive Aktienrisikoprämie relativ zur Duration. Ein derartiges Umfeld könnte einige Anleger zu einer konservativeren Allokation veranlassen. Aber da die Risikoprämien sowohl für Anleihen als auch für Aktien positiv sind, unterstützt die Aktien-Anleihen-Grenze derzeit keine übermäßigen Barallokationen oder Versuche, den richtigen Zeitpunkt für den Markteinstieg zu erwischen.

Um dies in einen Zusammenhang zu setzen, betrachten wir den Fall eines Euro-Anlegers, der seinen Ausstieg aus einem 60/40-Portfolio aus globalen Aktien und Euro-Anleihen genau in dem Monat getimt hat, in dem jede der Aktienbaisse der letzten 25 Jahre begann, und es geschafft hat, innerhalb eines Monats nach dem Tiefpunkt des Aktienmarktes wieder zu investieren. Dieser Anleger hat Renditen von 7,5% erwirtschaftet. Ein Anleger, der sein 60/40-Portfolio einfach kauft und hält, hat eine Rendite von 5,6% erzielt. 

Aber sehen wir uns an, was passiert, wenn eine Barmittelallokation von 25% in Euro in den Mix aufgenommen wird. Der Investor mit perfekter Vorausschau hat den „Buy-and-Hold“-Anleger nun um lediglich 40 Basispunkte pro Jahr übertroffen. Hätte er auf Barmittel verzichtet, aber den Zeitpunkt für den Ausstieg aus dem Markt und die Rückkehr dorthin im Umfeld von Kurskorrekturen um nur drei Monate verpasst, läge sein Vorteil gegenüber einem „Buy-and-Hold“- Anleger bei 60 Basispunkte pro Jahr. 

Nimmt man diese beiden Faktoren zusammen – ein zwar vernünftiges, aber um nur drei Monate verfehltes Timing sowie die Tendenz, Bargeld im Einklang mit dem Durchschnitt der Privatanleger zu halten –, so blieb dieser Ansatz in den letzten 25 Jahren jährlich um 60 Basispunkte hinter einer einfachen Buy-and-Hold Strategie zurück. Das gleiche gilt für Anleger in US-Dollar und anderen Währungen (Abbildung 7A und 7B). Selbst erfahrene Anleger haben selten Erfolg mit Market Timing. Dies zeigt, wie wichtig es für Ihr Vermögen ist, auf lange Sicht investiert zu bleiben.

Nach Schocks übertreffen 60/40-Portfolios Barmittel in 75% der Fälle um durchschnittlich 7% nach einem Jahr und in 100% der Fälle um durchschnittlich 21% nach drei Jahren

Abbildung 7A: Auswirkungen von Cash Drag und unvollkommenem Market Timing auf die Renditen globaler 60/40-Portfolios in USD
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Quelle: NBER, Bloomberg, JP Morgan Asset Management; Stand der Daten: Januar 2026

Exhibit 7B: Impact of cash drag and imperfect market timing on global 60/40 returns in EUR
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Quelle: NBER, Bloomberg, JP Morgan Asset Management; Stand der Daten: Januar 2026

Anleger können heute aus einer großen Bandbreite von Anlagevehikeln auswählen, die kostengünstig und steuereffizient sind und einfachen Zugang zu einem diversifizierten Anlageportfolio bieten. Wir glauben, dass das heutige Wirtschaftsumfeld und die Renditen, die wir für langfristig orientierte Anleger für erreichbar halten, wesentlich weniger Barmittel erlauben als von Privatanlegern normalerweise gehalten werden. Wir sind uns der hohen Bewertungen einiger Segmente des Aktienmarkts bewusst. Aber wir sind der Ansicht, dass Anleger diese berücksichtigen sollten, wenn sie ihre Allokationen in Anleihen gegenüber Aktien festlegen, anstatt sie zu nutzen, um den Ein- und Ausstieg am Markt zu planen. Die Versuchung mag groß sein, ein solcher Ansatz ist jedoch auf lange Sicht nur selten erfolgreich.


19 Stock-bond frontier is our representation of the capital markets line with varying ratios of equity-bond allocation plotted as expected return vs. expected risk (volatility).
20 Equity bear markets defined as worse than 20% peak to trough drawdown taken from Yardeni data and based on S&P 500 bear market and correction dates (from December 31, 2000 to December 31, 2025.)