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In den meisten Jahren beginnen Marktanalysten mit ziemlich optimistischen Gewinnprognosen und stutzen sie dann in den folgenden Monaten leise nach unten, sobald die Realität einsetzt. Dieses Muster ist erstaunlich stabil: Im Laufe des Jahres werden die ersten Schätzungen Schritt für Schritt reduziert, weil die tatsächlichen Ergebnisse, die Unternehmensausblicke und die Makrodaten hinter den zu rosigen Annahmen vom Jahresanfang zurückbleiben. Das ist inzwischen so ein verlässliches Merkmal des europäischen Gewinnzyklus, dass viele Anlegerinnen und Anleger die erwarteten Herabstufungen von Beginn an in ihre eigenen Annahmen einpreisen.

Doch wie der Chart dieses Monats zeigt, gibt es in diesem Jahr eine positive Ausnahme von diesem Muster. Und das ist ein sehr positives Signal: Statt der üblichen schleichenden Abwärtskorrektur wurden die Konsensschätzungen für die Gewinne seit Jahresbeginn tatsächlich nach oben revidiert. Ein Markt, in dem Gewinnerwartungen angehoben statt gekappt werden, nimmt einen der Gegenwinde aus dem Spiel, die die Stimmung gegenüber europäischen Aktien in den letzten Zyklen belastet haben.

Zwar stimmt es, dass ein erheblicher Teil dieser Aufwärtsrevisionen aus dem Energiesektor kommt. Gleichzeitig verbessern sich die Prognosen aber auch in einer Reihe weiterer Branchen, darunter Investitionsgüter, Versorger, Halbleiter und Banken. Das spricht dafür, dass die Aufwärtsrevisionen nicht nur ein Einmaleffekt sind, sondern auf einer breiten Basis stehen. Denn fiskalische Impulse, der Ausbau von KI-Infrastruktur und robuste Kreditbedingungen sorgen mittelfristig für Rückenwind und könnten das Wachstum 2026 und in den Jahren danach unterstützen.

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