Die globale Aktienmärkte gaben im Oktober nach – doch hinter der auf den ersten Blick moderaten Entwicklung verbarg sich eine deutliche Rotation. Während Industrieländeraktien nur leicht nachgaben, drückten vor allem ein ausgeprägter Ausverkauf in den Schwellenländern sowie Verluste bei KI-nahen Technologiewerten die globalen Aktienmärkte ins Minus. Technologieaktien gerieten zunehmend unter Druck, da sich die Frage verschärfte, ob die milliardenschweren Investitionen in die KI-Infrastruktur am Ende auch die erhofften Renditen abwerfen werden. Hinzu kam, dass die gestiegenen Finanzierungskosten besonders die stärker fremdfinanzierten Teile des Ökosystems belasteten. Staatsanleihen hoher Bonität entwickelten sich dagegen deutlich positiv, da Anleger angesichts punktueller Spannungen an den Aktien- und Kreditmärkten gezielt nach Diversifikation suchten – und das, obwohl die Konjunktur robust blieb und die Ölpreise im Zuge der sich zuspitzenden Lage im Nahen Osten anzogen.
Aktien der Industrieländer verloren 0,8 %, da die Schwäche einiger der größten US-Technologiekonzerne die breit abgestützten Zugewinne in anderen Sektoren überlagerte. Deutlich stärker unter Druck gerieten die Schwellenländer (-8,0 %), wobei der Ausverkauf vor allem die technologielastigen asiatischen Märkte wie Südkorea traf. Belastend wirkten hier die Sorgen um das enorme Investitionsvolumen für den Ausbau der Rechenzentren sowie der wachsende Wettbewerbsdruck aus China. Auch die politische Lage sorgte in einzelnen Märkten für Verunsicherung: In Frankreich lasteten der angespannte Haushalt und die politische Unsicherheit weiter auf den Aktienkursen, und brasilianische Aktien brachen nach dem Ausgang der Präsidentschaftswahl um knapp ein Fünftel ein.
Vor diesem Hintergrund wirkten Staatsanleihen als wichtiges Gegengewicht, da Anleger verstärkt sichere Häfen ansteuerten. Der Bloomberg Global Aggregate Index legte in US-Dollar gerechnet um 1,4 % zu, nachdem die Renditen von ihren September-Höchstständen zurückkamen. Französische Staatsanleihen bildeten die auffälligste Ausnahme – fiskalische und politische Sorgen belasteten den Markt weiterhin. Bemerkenswert ist, dass die Anleihenrally trotz solider Konjunkturdaten zustande kam: Die vorläufigen Composite-Einkaufsmanagerindizes (PMI) blieben im Oktober im Expansionsbereich, und auch die BIP-Zahlen für das dritte Quartal fielen in den USA und im Euroraum stark aus – die US-Wirtschaft wuchs um 0,8 % gegenüber dem Vorquartal, der Euroraum um 0,4 %. Gleichzeitig trieben die erneuten Spannungen im Nahen Osten den Preis für Brent-Rohöl auf 118 US-Dollar je Barrel. Üblicherweise sprechen eine robuste Konjunktur und höhere Ölpreise für steigende Renditen – dass Staatsanleihen dennoch zulegten, zeigt, wie klar die Volatilität rund um Technologietitel das Marktgeschehen bestimmte und wie stark das Diversifikationsbedürfnis der Anleger war.
Aktien
Die Aktienmärkte gerieten im Oktober unter Druck: Weltweit verloren Aktien in US-Dollar gerechnet 1,6 %. Unterhalb dieser Gesamtentwicklung vollzog sich jedoch eine ausgeprägte Rotation in der Marktführerschaft. An der Spitze stand der Energiesektor (+12,8 %), gefolgt von defensiven Branchen wie Basiskonsumgüter (+10,7 %), Gesundheitswesen (+9,9 %) und Versorger (+7,9 %), die zu den stärksten Performern unter den Industrieländeraktien zählten. Deutlich zurück blieben dagegen Technologie (-7,0 %) und Kommunikationsdienste (-13,5 %). Entsprechend hängten Value-Titel (+2,7 %) die Wachstumswerte (-4,2 %) um knapp sieben Prozentpunkte ab. Wichtig ist dabei: Trotz der Sorgen rund um Teile des KI-Ausbaus zeigte die Stärke einer Vielzahl anderer Sektoren, dass eine Schwäche im Technologiebereich die Erträge am Gesamtmarkt nicht zwangsläufig ausbremsen muss.
In den USA legte der gleichgewichtete S&P 500 um 5,0 % zu, während der marktgewichtete Hauptindex 0,9 % verlor. Diese Diskrepanz spiegelt die Schwäche mehrerer großer Technologiewerte wider, die die Robustheit in anderen Teilen des Marktes teilweise überlagerte. Zu den unter Druck geratenen Technologie-Schwergewichten zählten Nvidia (-10,4 %), Broadcom (-7,2 %), Alphabet (-18,7 %) und Meta (-15,2 %), da Anleger das Ausmaß der KI-bezogenen Investitionsausgaben zunehmend kritisch hinterfragten. Auch innerhalb des Technologiesektors fiel das Bild uneinheitlich aus: Globale Halbleiterwerte verloren 13,7 %, während Softwareaktien in US-Dollar um 0,9 % zulegten.
Unter den großen Benchmarks war Großbritannien im Oktober der stärkste Markt – der FTSE All-Share gewann 1,1 %. Angesichts der risikoaversen Marktstimmung spielte dem Index sein hohes Gewicht in Energie- und defensiven Sektoren in die Karten. Der MSCI Europe ex-UK legte um 0,7 % zu, gestützt von den defensiven Branchen. Belastend blieben jedoch die Sorgen um Frankreichs Haushaltslage: Die politische Unsicherheit und die Zweifel am Weg zur Haushaltskonsolidierung ließen den Renditeaufschlag französischer gegenüber deutschen Staatsanleihen weiter steigen. Auch europäische Finanzwerte (-5,4 %) gerieten unter Druck, da Anleger befürchteten, dass höhere Refinanzierungskosten des Staates und die politische Unsicherheit in Frankreich auf den Bankensektor durchschlagen könnten.
Die Schwäche in den Schwellenländern konzentrierte sich auf Asien. Der MSCI Asia ex-Japan verlor in US-Dollar 8,2 %, nachdem Sorgen über das Volumen der KI-Investitionen und die wachsende chinesische Konkurrenz die technologielastigen Märkte Anfang des Monats belastet hatten. Die hohe Technologiegewichtung in mehreren asiatischen Indizes – etwa in Korea (-15,6 %) und Taiwan (-8,4 %) – machte diese Märkte besonders anfällig für die beschriebene Rotation.
Lateinamerika erlebte einen politisch getriebenen Ausverkauf: Der Regionalindex gab in US-Dollar 7,6 % nach. Hauptbelastungsfaktor war Brasilien (-12,0 %) – brasilianische Aktien brachen nach dem überraschenden Wahlsieg Lulas bei der Präsidentschaftswahl ein und gaben damit die zuvor nach dem ersten Wahlgang verbuchten Gewinne wieder ab.
Anleihen
Staatsanleihen aus den Industrieländern verzeichneten im Oktober eine Rally, nachdem die Renditen von ihren Septemberhochs zurückkamen. Diese Bewegung ging einher mit einer Umschichtung in qualitativ hochwertigere Anlagen, da die Volatilität an den Aktienmärkten zunahm. Zugleich wurde damit ein Teil des deutlichen Renditeanstiegs aus dem dritten Quartal wieder aufgeholt. US-Staatsanleihen erzielten eine Rendite von 2,4 %, gefolgt von japanischen (+1,8 %), deutschen (+1,7 %) und britischen Staatsanleihen (+1,6 %).
Frankreich bildete weiterhin die große Ausnahme von der breit angelegten Rally bei Staatsanleihen. Der Renditeabstand zehnjähriger französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen weitete sich auf 166 Basispunkte aus, da die Anleger die angespannte Haushaltslage des Landes und die politische Unsicherheit vor den Wahlen im kommenden Jahr fest im Blick behielten. Französische Staatsanleihen stehen bereits über weite Strecken des Jahres 2026 unter Druck, da anhaltende Defizite und eine steigende Schuldenlast Zweifel an einem tragfähigen Pfad zur Haushaltskonsolidierung aufkommen lassen. Die sozialen Unruhen im Oktober haben den Druck auf die Renditen zusätzlich verstärkt – aus unserer Sicht haben sie die fiskalischen und politischen Herausforderungen in Frankreich jedoch eher verschärft als ausgelöst.
Im Vereinigten Königreich richtete sich die Aufmerksamkeit zudem auf den Herbsthaushalt 2026 der Regierung. Trotz eines geringeren fiskalischen Spielraums bekräftigte die Schatzkanzlerin das Bekenntnis der Regierung zu ihren Haushaltsregeln. Da die Ankündigung kaum größere Überraschungen enthielt, fiel die Marktreaktion vergleichsweise verhalten aus.
Fallende Staatsanleihenrenditen verliehen länger laufenden Investment-Grade-Anleihen Rückenwind, während Anleger angesichts vereinzelter Stresssignale in anderen Marktsegmenten zudem Anleihen höherer Qualität bevorzugten. Globale Investment-Grade-Anleihen erzielten eine Rendite von 1,3 %, während inflationsgebundene Anleihen weltweit um 1,8 % zulegten und Schwellenländeranleihen um 1,4 % stiegen. Hochzinsanleihen zeigten sich weniger widerstandsfähig: US-Hochzinsanleihen legten zwar zu (+0,3 %), bei divergierender Performance innerhalb des KI-Investitionsthemas, während europäische Hochzinsanleihen aufgrund von Sorgen um Frankreich fielen (-1,0 %).
Besonders deutlich zeigte sich der Stress in den stärker verschuldeten, qualitativ schwächeren Bereichen des KI-Ausbaus. Höhere Kreditkosten setzten Unternehmen unter Druck, die auf einen fortgesetzten Zugang zu den Anleihemärkten angewiesen sind, um die Lücke zwischen heutigen Investitionen und künftigen Cashflows zu überbrücken. CoreWeave gehörte zu den Unternehmen unter Druck, da Anleger dessen Finanzierungsbedarf und Fähigkeit zum Schuldendienst genau unter die Lupe nahmen.
Fazit
Der Oktober war eine Erinnerung an die Vorteile der Diversifikation – sowohl innerhalb als auch über Anlageklassen hinweg. Die Schwäche einiger der größten Technologieunternehmen wurde durch Stärke an anderer Stelle im Markt ausgeglichen, während hochwertige Staatsanleihen ihr Potenzial zum Schutz bei nachlassender Risikobereitschaft gegenüber Aktien unter Beweis stellten. Die Outperformance des gleichgewichteten US-Marktes sowie britischer Aktien zeigte zudem, dass Schwäche im Technologiesektor nicht zwangsläufig Stärke an anderer Stelle der Aktienmärkte verhindert.
Dennoch gewinnt Selektivität zunehmend an Bedeutung, da der KI-Investitionszyklus parallel zu erheblicher staatlicher Verschuldung und Infrastrukturausgaben verläuft. All dies erfordert Kapital zu einem Zeitpunkt, an dem die Finanzierungskosten erhöht bleiben. Die Anleihemärkte dürften daher zunehmend wählerischer werden, welche Projekte und Emittenten sie zu finanzieren bereit sind. Der Stress bei französischen Staatsanleihen und in Teilen des Neocloud-Anleihemarktes im Oktober lieferte zwei unterschiedliche Beispiele dafür, wie sich diese Spannungen zeigen können.
