Tilmann Galler, Kapitalmarktexperte bei J.P. Morgan Asset Management blickt einmal im Monat auf die aktuellen Entwicklungen der Märkte.
Achten Sie auf das Währungsrisiko
Wie lange kann der US-Dollar noch als sicherer Hafen dienen?
Aufgrund der überdurchschnittlichen Wertentwicklung von US-Vermögenswerten ist das Engagement in US-Dollar in vielen Portfolios deutlich gestiegen. Der USD-Anteil in einem klassischen globalen 60:40-Portfolio, das aus dem MSCI ACWI und dem Bloomberg Global Aggregate Bond Index besteht, stieg von 41 Prozent Anfang 2011 auf 57 Prozent Ende Oktober 2025. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das, die US-Dollar Risiken im Investmentportfolio stärker im Fokus zu behalten. Denn trotz der diesjährigen Abwertung ist der US-Dollar nach wie vor eine teure Währung. Wir schätzen, dass der US-Dollar immer noch 7 Prozent über dem fairen langfristigen Wert liegt.
Seit dem Ende von Bretton Woods zeigt sich ein perfektes Zusammenspiel zwischen der Richtung des US-Dollars und der relativen Wertentwicklung der Aktienmärkte. In allen Phasen eines strukturell starken US-Dollars haben sich US-Aktien im Vergleich zum Rest der Welt besser entwickelt. In Zeiten der Dollarschwäche wiederum traf das Gegenteil zu. Dies ist intuitiv, da die Attraktivität der Aktienrenditen globales Kapital anzieht und die Bewegungen im Dollar antreibt. Eine zukünftig stärkere Berücksichtigung der Aktienmärkte außerhalb der USA ist deshalb attraktiv, sollte sich die Abwärtsbewegung des Greenbacks fortsetzen.
Investoren sollten daher auf die Größe der US-Dollar Position im Portfolio achten und darauf, wie starke Währungsbewegungen das Potenzial haben, die Wertentwicklung zu beeinflussen. 2025 ist eine gute Erinnerung daran, denn in Lokalwährungen stieg der S&P 500 im Börsenjahr bis Ende November um 18 Prozent, während der Index für nicht abgesicherte Anleger in EUR nur um 5 Prozent zulegte.
Doch ein vollständiger Rückzug aus dem US-Dollar ist nach unserer Einschätzung nicht sinnvoll. Denn in unseren Long-Term Capital Market Assumptions (LTCMA) für 2026 schätzen einen langfristig fairen Wert des US-Dollars zum EUR von 1,26 bis 2038. Dies impliziert einen jährlichen Währungsverlust für Investments in US-Dollar von 0,6 Prozent. Dem stehen die aktuell hohen kurzfristigen jährlichen Absicherungskosten von 1,8 Prozent für eine Absicherung des US-Dollars gegenüber Auch zehnjährige US-Staatsanleihen mit ihrer Rendite von ca. 4,2 Prozent erscheinen in diesem moderaten Abwertungsszenario attraktiver als die Bundesanleihen mit einer Rendite von rund 2,9 Prozent.
Trotz unseres Kernszenarios, dass der US-Dollar in den kommenden Jahren geordnet gegenüber den meisten Währungspaaren abwertet, scheinen Absicherungsstrategien angesichts aktuell hoher Kosten eher unattraktiv. Kleine und geordnete Rückgänge im Dollar rechtfertigen die Zahlung einer derart hohen Versicherungsprämie nicht. Bei einem ungeordneten Dollar-Szenario mit einer dramatischen Abwertung wäre der Preis der Absicherung jedoch gerechtfertigt, so kann die Hinzunahme von währungsgesicherten Strategien dieses Restrisiko mindern.
In den letzten zehn Jahren waren Investments in US-Anlagen für das Gesamtportfolio risikomindernd. In Zeiten hoher Marktvolatilität war der Greenback ein klassischer sicherer Hafen: Je größer die Angst an den Märkten, desto fester der US-Dollar. Dies zeigte sich insbesondere in Krisen außerhalb der USA, etwa bei der Euro-Staatsschuldenkrise und dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise ist die rollierende zweijährige Korrelation des Greenbacks mit der Performance des S&P 500 fast kontinuierlich negativ.
Dieser „sichere Hafen-Status“ scheint jedoch nicht mehr so solide zu sein. Die Korrelation des US-Dollar mit dem US-Aktienmarkt ist 2025 stark gestiegen. Protektionistische Handelspolitik, Verschuldungspolitik und Druck auf die Notenbank haben das Vertrauen der Märkte in die Weltreservewährung erschüttert. Wenn sich die US-Politik weiterhin als inflationär und destabilisierend erweist, dürfte der Dollar zukünftig seine positiven Diversifikationseffekte verlieren.
Die richtige Balance des Währungsrisikos im Portfolio zu beachten, ist ein entscheidender Beitrag für den zukünftigen Anlageerfolg. Die Hinzufügung von währungsgesicherten Strategien und eine breite internationale Diversifizierung können die Risiken sowohl eines geordneten als auch eines ungeordneten Dollarrückgangs mindern.
Tilmann Galler ist globaler Kapitalmarktstratege bei
J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt
