Exchange-Traded Funds (ETFs) haben eine Reihe attraktiver Eigenschaften, wie z. B. die Flexibilität, börsentäglich zu kaufen und zu verkaufen, einen effizienten Marktzugang und potenziell niedrigere Kosten. Während sich viele Anlegerinnen und Anleger über diese Vorteile im Klaren sind, wird eines der wichtigsten Merkmale von ETFs – ihre Liquidität – weniger gut verstanden. Die Möglichkeit, ETFs schnell, einfach und zu einem angemessenen Preis zu kaufen oder zu verkaufen, zählt jedoch zu den größten Vorteilen des ETF-Wrappers, sowohl für aktive als auch für indexnachbildende Strategien.

Mit den Mythen aufräumen

Um die tatsächliche Liquidität eines ETFs zu verstehen, gilt es zunächst die vielen Missverständnisse in Bezug auf die Liquidität von ETFs auszuräumen. Zu den häufigsten Mythen gehören:  

  • Mythos Nr. 1: Die Liquidität eines ETFs wird durch die Liquidität der Basiswerte begrenzt 
    Da sowohl ETFs als auch einzelne Aktien an der Börse gehandelt werden, gehen viele Anlegerinnen und Anleger davon aus, dass die Faktoren für die Liquidität einzelner Aktien auch die Liquidität der ETFs bestimmen. 

    Die Wahrheit: ETFs bewegen sich in einem anderen Ökosystem als andere börsennotierte Instrumente, wie z. B. einzelne Aktien oder geschlossene Fonds. Während diese Wertpapiere ein festes Angebot an im Umlauf befindlichen Anteilen haben, handelt es sich bei ETFs um offene Anlagevehikel, die je nach Angebot und Nachfrage der Anlegerinnen und Anleger auf dem Sekundärmarkt Anteile ausgeben oder zurücknehmen können. Dieser einzigartige Mechanismus für die Ausgabe und Rücknahme von Wertpapieren, der Primärmarkt, der von erfahrenen Market Makern und Kapitalmarktexperten ermöglicht wird, bedeutet, dass ETFs eine weitaus höhere und dynamischere Liquidität aufweisen können als Aktien. Dies erklärt auch, warum die Liquidität eines ETF in erster Linie durch die Liquidität seiner zugrunde liegenden einzelnen Wertpapiere bestimmt wird und nicht durch das Anlage- oder Handelsvolumen.
  • Mythos Nr. 2: Das Handels- oder Fondsvolumen geben Aufschluss über die Liquidität eines ETF
    Viele Anlegerinnen und Anleger glauben, dass der Handel mit ETFs, die ein geringes tägliches Handelsvolumen oder eine geringe Größe (gemessen am verwalteten Vermögen) aufweisen, schwierig oder teuer sei.

    Die Wahrheit: Aufgrund ihres Ausgabe- und Rücknahmemechanismus können kleine ETFs oder ETFs mit geringem Handelsvolumen in der Regel große Kauf- oder Verkaufsorders aufnehmen und weiterhin zu Kursen gehandelt werden, die in der Regel nahe am Nettoinventarwert der zugrunde liegenden Wertpapiere liegen. Bedenken Sie, dass selbst die ETFs mit dem größten Vermögen am ersten Tag nur über wenige Vermögenswerte verfügten.

  • Mythos Nr. 3: Die Liquidität des ETF-Sekundärmarktes ist der einzige Indikator für die tatsächliche Liquidität von ETFs
    Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Liquidität des ETF-Sekundärmarktes ausreichende Informationen zur Beurteilung der tatsächlichen Liquidität von ETFs liefert.

    Die Wahrheit: Market Maker – die fortlaufend Kauf- und Verkaufsorders für ETFs annehmen und so einen wichtigen Beitrag zu ihrem Handel an der Börse leisten – geben oft nur einen kleinen Teil des Volumens an, das sie handeln wollen. Anlegerinnen und Anleger werden daher möglicherweise feststellen, dass die Liquidität am Sekundärmarkt weitaus höher ist, als die Indikatoren auf dem Monitor vermuten lassen. Ein autorisierter Teilnehmer kann die Liquidität des Primärmarktes nutzen, um große ETF-Transaktionen abzuwickeln, indem er ETF-Anteile direkt bei der Fondsgesellschaft schafft oder zurückgibt.

  • Mythos Nr. 4: Der Zugang zu aktiven ETFs erfolgt auf die gleiche Weise wie bei Investmentfonds.
    Einige Anlegerinnen und Anleger glauben, dass aktive ETFs genauso gehandelt werden wie Investmentfonds, weil beide aktiv verwaltet werden.

    Die Wahrheit: Obwohl beide aktiv verwaltet werden, können aktive ETFs intraday gehandelt werden, was sich nicht vom Handel mit indexnachbildenden ETFs unterscheidet. Investmentfonds hingegen können nicht untertägig gehandelt werden und bieten in der Regel nur einen Zeichnungs-/Rücknahmezeitpunkt an. Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel zu ETF-Handelsstrategien.

  • Mythos Nr. 5: Der Handel mit aktiven ETFs ist teurer als der Handel mit indexnachbildenden (passiven) ETFs.
    Der Eindruck höherer Kosten bei einem aktiven ETF hält sich hartnäckig, da der Fokus auf den Verwaltungsgebühren und dem Tracking Error liegt.

    Die Wahrheit: Aktive ETFs können einen höheren Tracking Error aufweisen, da sie die Wertentwicklung eines Index nicht nachbilden, sondern übertreffen wollen. Dies kann zu Performance-Abweichungen führen, die als zusätzliche Kosten empfunden werden. Während die Verwaltungsgebühren höher sein können, können die Transaktionskosten ähnlich hoch sein wie bei passiven ETFs. Die Gesamtkosten hängen von Faktoren wie dem zugrunde liegenden Engagement, der Anlagestrategie und den Marktbedingungen ab.

  • Mythos Nr. 6: Aktiven ETFs mangelt es an Transparenz
    Einige Anlegerinnen und Anleger sind der Meinung, dass aktive ETFs ihre Bestände nicht so häufig veröffentlichen wie Index-ETFs.

    Die Wahrheit: Aktive OGAW-ETFs bieten ebenso wie indexnachbildende OGAW-ETFs tägliche Transparenz über ihre Anlagebestände. 

Fazit

Die Liquidität eines ETF kann oft weitaus höher sein, als die meisten Anlegerinnen und Anleger vermuten. Allerdings ist es wichtig, mit Ihrem ETF-Anbieter zusammenzuarbeiten, insbesondere wenn Sie große Aufträge platzieren. Die meisten Anbieter verfügen über ETF Capital Markets Teams, deren Aufgabe es ist, mit Portfoliomanagern, autorisierten Teilnehmern, Market Makern und Börsen zusammenzuarbeiten, um die tatsächliche Liquidität von ETFs zu bewerten und Anlegerinnen und Anleger bei der effizienten Ausführung von Transaktionen zu unterstützen.