Die globalen Aktienmärkte fanden im August wieder zu ihrer Form zurück – getragen von einer weiterhin robusten Konjunktur und einer soliden Gewinnsaison der Unternehmen. Der US-Aktienmarkt erholte sich, nachdem ein weiterer herausragender Nvidia-Bericht eine glänzende Berichtssaison zum zweiten Quartal abrundete. Das Umfeld im Nahen Osten blieb angespannt; Brent-Öl pendelte um die Marke von 90 US-Dollar je Barrel. Die Renditekurve US-amerikanischer Staatsanleihen verflachte, da nach einer restriktiv ausgerichteten Rede von Fed-Chef Warsh beim jährlichen Symposium in Jackson Hole die Erwartungen an eine Zinserhöhung zunahmen – zugleich kündigte das US-Finanzministerium überraschend an, den Rückkauf länger laufender Anleihen deutlich hochzufahren.
Die Zugewinne fielen sowohl in den Industrieländern (+2,6%) als auch in den Schwellenländern (+3,4%) auf breiter Basis aus. Letztere schnitten in US-Dollar gerechnet leicht besser ab, was allerdings teils dem schwächeren Greenback zu verdanken war, der die in Dollar ausgewiesenen Erträge verstärkte. Dessen ungeachtet fiel das Gewinnwachstum im zweiten Quartal über die großen Regionen hinweg solide aus. Die stärksten Zuwächse beim Gewinn je Aktie (GjA) meldeten die Sektoren Energie und Technologie, doch zeigte sich auch, dass sich die Gewinndynamik zunehmend verbreiterte. Die Schätzung für das globale GjA-Wachstum 2026 kletterte in der Folge auf beachtliche 34% gegenüber dem Vorjahr.
Vor diesem freundlichen Gewinnumfeld legten im August sowohl Wachstums- (+2,6%) als auch Substanzwerte (+2,6%) zu. Bemerkenswert war, dass die Technologiewerte nach dem heftigen Ausverkauf im Juli wieder Fahrt aufnahmen. Halbleiteraktien erholten sich, doch die kräftigeren Zugewinne verbuchte tatsächlich der Softwaresektor: Solide Fundamentaldaten in der jüngsten Berichtssaison ließen die Sorgen vor der Bedrohung durch künstliche Intelligenz (KI) in den Hintergrund treten. Auch Nebenwerte (Small Caps) schnitten überdurchschnittlich ab (+2,9%), begleitet von robusten globalen Konjunkturdaten. So verharrte etwa der vorläufige Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Gesamtwirtschaft im August komfortabel im expansiven Bereich.
Parallel zum Anstieg der Aktienmärkte zogen auch die Rohstoffpreise auf breiter Front an. Edel- und Industriemetalle verteuerten sich, Gold legte um rund ein Zehntel zu, nachdem die „interventionistische" Rückkaufankündigung des US-Finanzministeriums die Diskussion um den sogenannten „Debasement Trade" (die Wette auf einen schleichenden Werteverfall des Geldes) neu entfachte – was auch den schwächeren US-Dollar zum Teil erklärt. Ebenfalls deutlich zulegen konnten Agrarrohstoffe, allen voran die Weizenpreise: Weitere Angebotsstörungen erscheinen möglich, nachdem Berichte über eine geplante Eskalation der russischen Ukraine-Offensive aufkamen und sich das Wetterphänomen El Niño weiter aufbaut. Bei den Energiepreisen fiel das Bild uneinheitlich aus. Öl bewegte sich trotz anhaltender Scharmützel zwischen den USA und dem Iran weiter in einer Spanne. Die kurzfristigen europäischen Großhandelspreise für Erdgas erreichten hingegen ein Jahreshoch, da die lokalen Lagerbestände zur Neige gingen und Raffinerien in Russland und im Nahen Osten weiterhin ins Visier gerieten. Der MSCI World Materials Index war in der Folge der stärkste Aktiensektor im August, auch Energietitel schnitten überdurchschnittlich ab.
An den Anleihemärkten erzielte der Global Aggregate Index in Dollar gerechnet einen Ertrag von 0,5%, wobei die Erträge in lokaler Währung angesichts des schwächeren US-Dollars auseinanderliefen. Bei Staatsanleihen fiel das Bild uneinheitlich aus: Die US-Renditen zeigten sich – im Einklang mit der Rückkaufankündigung für länger laufende US-Staatsanleihen – stabiler als in Kontinentaleuropa. Gleichwohl blieben die Renditen von Staatsanleihen empfindlich gegenüber Schwankungen der Energiepreise und der Rhetorik der Notenbanken; die zehnjährigen Renditen markierten in mehreren Teilen der Welt neue Zyklushochs. Unternehmensanleihen schnitten derweil überdurchschnittlich ab, insbesondere im Hochzinssegment, wo sich die Spreads auf ein Zwölfmonatstief einengten.
Aktien
Die USA zählten (in lokaler Währung) zu den stärksten großen Aktienregionen: Der S&P 500 legte um 2,7% zu. Wenig überraschend stand angesichts boomender Investitionen und Gewinne die KI-Wette weiter im Fokus, doch die Erträge der Mega-Cap-Technologiewerte fielen recht uneinheitlich aus. Unter den großen Halbleiternamen etwa stieg Nvidia um rund ein Zehntel, während Broadcom nachgab. Zwar blieb das binnenwirtschaftliche Umfeld freundlich – der vorläufige US-Gesamt-PMI erreichte ein 52-Monats-Hoch –, doch schnitt der gleichgewichtete S&P 500 Index leicht schwächer ab als sein kapitalgewichtetes Pendant, was zuletzt im Mai der Fall war.
In den übrigen Industrieländern legte Japans TOPIX Index um 3,9% zu, begleitet von einer Abschwächung des Yen (trotz der gemeinsamen Devisenintervention der USA und Japans Ende Juli). Der Ausbau US-amerikanischer KI-Rechenzentren sowie eine gelockerte binnenwirtschaftliche Fiskalpolitik trugen gleichwohl zu breit gestreuten Erträgen über die japanischen Sektoren hinweg bei. Die Erträge der europäischen Aktienindizes wurden von Wachstumswerten im Zuge der erneuten Technologiedynamik gestützt, blieben insgesamt aber zurück.
In den Schwellenländern stieg der vielbeachtete EM-Asien-Index um 3,4% (wobei der Ertrag in lokaler Währung nahezu 2Prozentpunkte niedriger ausfiel). Der KI-lastige taiwanesische Aktienindex war in lokaler Währung der herausragende Performer, während Koreas Index zurückblieb – und das, obwohl SK Hynix und Samsung Electronics ankündigten, die Ausschüttungen an die Aktionäre über höhere Aktienrückkäufe und Dividenden zu steigern. Die Erholung des chinesischen Aktienmarkts aus dem Vormonat erwies sich als kurzlebig, denn die Konjunkturdaten für August unterstrichen die anhaltende Schwäche der Binnennachfrage. Allerdings hat das Volumen KI-bezogener Börsengänge im Inland spürbar angezogen.
Anleihen
Die nominalen Erträge von Staatsanleihen fielen in den Industrieländern uneinheitlich aus.
US-Staatsanleihen erzielten in lokaler Währung einen Ertrag von 0,3%. Die kurzfristigen Renditen zogen an, nachdem Fed-Chef Warsh in seiner richtungweisenden Jackson-Hole-Rede einräumte, dass sich die jüngsten US-Inflationsdaten nicht nennenswert verbessert hätten. Die 30-jährige Rendite gab im Monatsverlauf hingegen leicht nach – obwohl sie zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen war –, nachdem das US-Finanzministerium ankündigte, das Tempo der Rückkäufe länger laufender Anleihen ab September mindestens zu verdoppeln.
In Europa fielen auch die Erträge britischer Gilts positiv aus, wobei vom neuen Premierminister Andy Burnham bislang keine gesamtwirtschaftlich bedeutsamen politischen Ankündigungen zu vernehmen waren. Auf dem Kontinent lagen die Erträge im negativen Bereich, da die Renditen über die gesamte Kurve hinweg stiegen. Die Geldmärkte preisten für die bevorstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September weiterhin eine Zinserhöhung ein, und auch EZB-Vertreter schlugen in ihren jüngsten Äußerungen einen restriktiven Ton an. Deutsche Bundesanleihen verzeichneten leicht negative Erträge, wobei die zehnjährige Rendite ein neues Zyklushoch von 3,32% erreichte; französische Staatsanleihen schnitten angesichts der bevorstehenden Beratungen über den französischen Haushalt 2027 schwächer ab als der breitere Block.
Japans Staatsanleihen schnitten (in lokaler Währung) am schlechtesten ab. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen (JGB) stieg vor dem Hintergrund der gelockerten Fiskalpolitik und einer erneut anziehenden Inflation auf ein Mehrjahrzehnthoch von 2,95%. Am deutlichsten legten die kurzfristigen Renditen zu, da die Geldmärkte ihre Erwartungen an eine Zinserhöhung der Bank of Japan auf September vorzogen – bei wachsendem Druck von der anderen Seite des Pazifiks, die Zinsen anzuheben (insbesondere nach der erwähnten Devisenintervention der USA und Japans).
An den Kreditmärkten erholten sich im August sowohl Investment-Grade- als auch Hochzinsanleihen. Die globalen Investment-Grade-Spreads zeigten sich trotz der ambitionierten Emissionspläne US-amerikanischer Hyperscaler stabil, während sich die globalen Hochzins-Spreads erneut einengten. Auch Schwellenländeranleihen schnitten überdurchschnittlich ab, da der US-Dollar gegenüber einigen der großen Schwellenländerwährungen nachgab.
Fazit
Der weltweite Aufschwung der Aktienmärkte setzte sich im August fort. Nach wie vor gab es kaum Anzeichen dafür, dass der Ausbau der US-Rechenzentren an Schwung verliert – was den Gewinnen im Technologiesektor weiter Auftrieb gab. Ein weiterer Monat uneinheitlicher Kursentwicklungen bei Technologieaktien deutet jedoch darauf hin, dass die Anleger zurückhaltend blieben, die klaren „Gewinner" der KI-Wette zu benennen. Dieses Umfeld deckt sich mit der Empfehlung aus unserem Investmentausblick zur Jahresmitte, entlang der KI-Lieferkette selektiv vorzugehen. Angesichts der breiten Zugewinne an den Aktienmärkten im August auf Basis überwiegend gesunder Konjunkturdaten dürfte sich eine geografisch breite Streuung als wichtig erweisen – auch darauf haben wir hingewiesen. Sollten die Technologie-Euphorie oder die Konjunkturdynamik ins Stocken geraten, bieten Staatsanleihen unseres Erachtens weiterhin einen guten Schutz – selbst wenn das US-Finanzministerium weiterhin unorthodoxe Interventionen am Anleihemarkt einsetzt.
