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Obwohl Anleihen das Portfolio gut gegen Nachfrageschocks absichern, erfordern die immer häufiger auftretenden Kostenschocks eine stärkere Gewichtung neuer Diversifikatoren.

In diesem Beitrag, welcher ursprünglich am 27. März 2026 veröffentlicht wurde, geht das Market Insights Team auf mehrere zentrale Fragen ein, die nach den jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten vermutlich im Fokus der Anlegerinnen und Anleger stehen.

Was ist Ihr Basisszenario für die Dauer des Konflikts?

Obwohl der Konflikt länger andauert als ursprünglich erwartet, bleibt unser Basisszenario eine Deeskalation, bei der alle wichtigen Akteure eine kurzfristige Lösung anstreben, die eine Wiederöffnung der strategisch bedeutenden Straße von Hormus für den Transit ermöglicht. Diese Annahme stützt sich auf folgende politischen Überlegungen:

  • Der US‑Präsident möchte weder, dass der Krieg während seines neu angesetzten Besuchs in China am 14. Mai noch andauert, noch sind steigende Benzinpreise oder ein rückläufiger Aktienmarkt im Vorfeld der Zwischenwahlen in seinem Interesse.
  • Israel wird kurzfristig den US‑Forderungen nach Deeskalation nachkommen, da die Beziehung zu den USA Priorität hat und die Grenzen eines rein über Luftangriffe geführten Kriegs erkannt werden.
  • China und andere asiatische Partner werden Iran zu einer Deeskalation drängen, sobald die USA ihre Angriffe einstellen – sowohl wegen möglicher Risiken für ihre eigene Energieversorgung als auch aus Sorge vor einer westlichen Rezession, die Chinas ohnehin stagnierende Wirtschaft weiter schwächen könnte.
  • Iran hat durch die Demonstration seiner Fähigkeit, globale Aktivitäten zu stören, sein Ziel erreicht und damit kurzfristig die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Angriffs reduziert.

Natürlich sind wir uns dessen bewusst, dass man solchen rationalen Analysen nur begrenzt Gewicht beimessen sollte. Insbesondere Irans Kalkül ist schwer zu durchschauen, und die fortgesetzte Entsendung von US‑Truppen in die Region erhält Washingtons Optionen zur Eskalation aufrecht. Daher sollten auch andere Szenarien, die den Konflikt ausweiten würden, in Betracht gezogen werden. Eine vollständige Übersicht der Szenarien findet sich nachstehend (siehe Abbildung 1).

Wie wird sich ein länger andauernder Konflikt auf die weltweiten Energiepreise auswirken?

Die Straße von Hormus ist die entscheidende Wasserstraße, die die großen ölproduzierenden Länder des Persischen Golfs mit den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten verbindet. Täglich passieren rund 20 Millionen Barrel (mbd) an Öl und Erdölprodukten die Meerenge (siehe Abbildung 3), was einem Viertel des weltweiten Erdölhandels auf dem Seeweg entspricht. Zwar hat Rohöl die Schlagzeilen dominiert, aber die Meerenge ist auch für eine Reihe von raffinierten und verwandten Produkten von entscheidender Bedeutung (siehe Abbildung 4).

90% aller Exporte durch die Straße von Hormus gehen nach Asien. Allein auf Indien und China entfallen die Hälfte aller Rohöl- und Kondensatausfuhren (siehe Abbildung 5) sowie 40% der Flüssiggasexporte. Europa ist ein wichtiger Abnehmer von Raffinerieprodukten und kauft ein Drittel aller Diesel- und Flugzeugtreibstoffexporte.

Die ersten Auswirkungen der Versorgungsengpässe waren am stärksten in den weniger wohlhabenden asiatischen Ländern zu spüren, wo die Einfuhren von Raffinerieerzeugnissen um 35% zurückgegangen sind(J.P. Morgan Commodities Research, 2026). Diese Länder haben eine Vielzahl von Maßnahmen zur Senkung des Energiebedarfs ergriffen, wie z. B. die Umstellung auf eine Vier-Tage-Woche und die Schließung von Schulen und Universitäten.

Es gibt drei Optionen, die dazu beitragen könnten, die Auswirkungen der Krise abzumildern:

1. Umleitung über Pipelines. Pipeline‑Alternativen existieren, verfügen jedoch nur über begrenzte freie Kapazitäten (siehe Abbildung 6). Über Pipelines könnten theoretisch 3 mbd bis 5 mbd des verlorenen Öls aus dem Seeverkehr ersetzt werden. Allerdings wurde das Fujairah‑Hafenterminal der Abu Dhabi Crude Oil Pipeline (ADCOP) beschädigt. Zudem besteht das Risiko, dass Exporte, die im Hafen von Yanbu an der Westküste Saudi‑Arabiens verladen werden, von den iranisch unterstützten Huthi‑Milizen im Jemen angegriffen werden könnten, sollte sich die Lage weiter verschärfen. Derzeit werden lediglich zusätzliche 1,9 mbd an Öl über diese Routen umgeleitet (basierend auf einem gleitenden Vier‑Tage‑Durchschnitt vom 22. März 2026).

2. Aussetzung der Sanktionen. Die USA kündigten eine vorübergehende Aussetzung der Sanktionen gegen russisches und iranisches Öl auf See an (12. bzw. 19. März), die inzwischen jedoch beendet wurde. Zuvor verkauften diese beiden Länder ihr Öl außerhalb der offiziellen Kanäle, vor allem an China, und zwar mit einem Abschlag von 15 US-Dollar pro Barrel auf den offiziellen Weltmarktpreis (Bloomberg, 2026). Die zeitweise Zulassung von russischem und iranischem Öl auf den globalen Märkten erhöhte die „offiziellen“ Liefermengen und verringerte den absoluten Druck auf die globalen Ölpreise. Die Blockade der Straße von Hormus begrenzt weitere iranische Ölexporte, aber die Aussetzung der Sanktionen gegen zukünftige russische Ölproduktion könnte weitere 3 Millionen Barrel pro Tag in den offiziellen Umlauf bringen. 

3. Energieträgerwechsel. China und Indien, zwei wichtige Abnehmer von Flüssigerdgas (LNG) aus den Golfstaaten, können weiterhin auf Kohleverstromung zurückgreifen. Die Auslastung der Kohlekraftwerke in China liegt derzeit bei 50% (Ember Energy, 2026). Ähnlich ist die Situation in Indien, wo die Kohlenutzung auf etwa 66% gesunken ist (Carboncopy, 2025). Diese Umstellung würde den Druck auf die globalen LNG-Märkte mindern, da LNG in der Regel als sauberer Ersatz für die Stromerzeugung verwendet wird, aber keine Alternative für Kraftstoff darstellt, so dass die Nachfrage nach Öl weitgehend unberührt bliebe.

Insgesamt dürften die möglichen Gegenmaßnahmen nicht ausreichen, um eine vollständige Schließung der Straße von Hormus über einen längeren Zeitraum auszugleichen – selbst wenn die angekündigten Freigaben strategischer Ölreserven berücksichtigt werden. In Ermangelung einer Lösung werden die Preise steigen müssen, um einen Nachfragerückgang zu erzwingen und das globale Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederherzustellen. Bei den derzeitigen Ölpreisen wird jedoch ein Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um nur 1 mbd erwartet(J.P. Morgan Commodities Research, 2026). Preise von nahezu 150 US-Dollar pro Barrel könnten notwendig sein, um einen spürbaren Nachfragerückgang auszulösen.

Referenzen

Bloomberg. (2026, 2 23). Russian oil most discounted since 2023 on western sanctions. Retrieved from https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-02-23/russian-oil-most-discounted-since-2023-on-western-sanctions
Carboncopy. (2025, 11 17). Renewable is elbowing out coal: can it continue the growth momentum? Retrieved from https://www.carboncopy.info/renewable-is-elbowing-out-coal-can-it-continue-the-growth-momentum
Ember Energy. (2026, 2 10). From baseload to flexibility: How is coals role in China changing. Retrieved from Ember Energy: https://ember-energy.org/app/uploads/2026/02/From-baseload-to-flexibility-How-is-coals-role-in-China-changing-PDF.pdf
J.P. Morgan Commodities Research. (2026, 3 19). Retrieved from https://jpmm-internal.jpmchase.net/#research.article_page&action=open&doc=GPS-5239325-0

Welche Auswirkungen auf Wachstum und Inflation sind weltweit zu erwarten?

Angesichts der Bedeutung der Straße von Hormus für die globalen Energiemärkte wird sich ihre Schließung auf die Inflation und damit auch auf das Wachstum auswirken.

In den meisten Volkswirtschaften ist mit höherer Inflation und geringerem Wachstum zu rechnen, aber die Auswirkungen des Energieschocks hängen von vier Hauptfaktoren ab:

  1. Wie stark eine Volkswirtschaft von fossilen Brennstoffen abhängig ist und ob Alternativen wie Kohle leicht substituiert werden können.
  2. Ob die Volkswirtschaft bei der Beschaffung von Brennstoffen von den Weltmarktpreisen abhängig ist (z. B. ist der US‑Binnenmarkt für Erdgas begrenzt).
  3. Dem Umfang staatlicher Gegenmaßnahmen (entweder kurzfristige Unterstützung zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor höheren Energiekosten oder infrastrukturbezogene Pakete).
  4. Der Grad der wirtschaftlichen Fragilität zu Beginn des Schocks.

Bevor wir uns mit den länderspezifischen Einzelheiten befassen, können zudem zwei allgemeine Feststellungen getroffen werden. Erstens ist es zumindest in Europa unwahrscheinlich, dass wir staatliche Unterstützungsprogramme in einer Größenordnung wie in der letzten Krise sehen werden. In Großbritannien beispielsweise ergab eine Analyse des Office for Budget Responsibility, dass eine Kombination aus Energiepreisdeckeln und Subventionen im Jahr 2022 ganze 1,6% des BIP ausmachte. Dieses Mal jedoch werden Sorgen über das Niveau der Staatsverschuldung dazu führen, dass die Unterstützung kleiner und gezielter ausfällt. Dies bedeutet zwar, dass Einkommen und Konsum der Privathaushalte kurzfristig darunter leiden werden, verringert jedoch zugleich das Risiko, dass sich die Inflation verfestigt und die Zentralbanken gezwungen wären, die Zinsen anzuheben.

Zweitens ist der Privatsektor in einer insgesamt recht guten Verfassung, um den Schock abzufedern Die Weltwirtschaft verzeichnete zuletzt eine solide Dynamik, sowohl beim BIP‑Wachstum als auch beim Gewinnwachstum. Die Bilanzen der Privathaushalte und der Unternehmen waren nach mehr als einem Jahrzehnt des Schuldenabbaus solide, und zumindest in der Summe verfügen die europäischen Haushalte immer noch über beträchtliche Ersparnispolster, die während und nach der Pandemie aufgebaut wurden.

Unter Berücksichtigung dieser beiden Punkte erweist sich der Energieschock für die USA, Großbritannien und die Eurozone in allen drei in Abbildung 1 dargestellten potenziellen Szenarien unterm Strich als Verlustereignis.

Deeskalation

In dem Deeskalationsszenario, in dem die Straße von Hormus innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums wieder geöffnet wird und der Ölpreis auf 70-80 USD/Barrel zurückgeht, können diese Volkswirtschaften die Störung gut verkraften.

Die Auswirkungen auf die US‑Gesamtinflation dürften mit einem prognostizierten Anstieg von etwa 0,2 Prozentpunkten zum Jahresende gering bleiben. In Großbritannien und in der Eurozone werden die Auswirkungen der Inflation jedoch größer sein (näher an einem Anstieg von 1 Prozentpunkt zum Jahresende), was den Disinflationsprozess umkehren würde. Die Gaspreise in Großbritannien und in der Eurozone sind global ausgerichtet und an die weltweiten LNG-Preise gebunden. Diese Preise sind infolge der Schließung der Straße von Hormus und der Schäden an der LNG-Infrastruktur von Katar gestiegen.

Die Auswirkungen auf das Wachstum werden bei diesem Szenario begrenzt sein. Gleichwohl werden sie für die stärker von Energieimporten abhängigen Volkswirtschaften, wie Großbritannien und Eurozone, schlimmer sein als für die USA. Die positive Wirtschaftsdynamik der Eurozone könnte jedoch weiterhin durch die Auswirkungen der deutschen Staatsausgaben und eine allgemeinere Deregulierung in der Eurozone begünstigt werden.

Teilweise Deeskalation

In dem Szenario der teilweisen Deeskalation dauert der Konflikt länger an, und die Transporte durch die Straße von Hormus können aufgrund der verbleibenden Risiken und Unsicherheiten nur teilweise wieder aufgenommen werden. Öl wird weiterhin in der Nähe von 100 USD/Barrel gehandelt, und der daraus resultierende Energieschock wird sich für Großbritannien und die Eurozone nachteiliger auswirken als für die USA.

Zum Jahresende wird die Inflation in Großbritannien und in der Eurozone um etwa 2 Prozentpunkte höher liegen, was vor allem auf die Energiepreise zurückzuführen ist. In diesem Szenario steigen jedoch sowohl die Kerninflation als auch die Lebensmittelpreise. Ein solcher Preisanstieg wird die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher, die Gewinnspannen der Unternehmen und die Stimmung belasten, so dass sich das Wachstum verlangsamen wird, auch wenn die Auswirkungen auf das verfügbare Einkommen deutlich geringer ausfallen werden als im Jahr 2022 (siehe Abbildung 7).

In den USA steigt die Inflation zum Jahresende um etwa 0,5 Prozentpunkte, was auf höhere Preise für Benzin und energieintensive Güter zurückzuführen ist. Der Wachstumsdämpfer in den USA hält sich in Grenzen, da der Kaufkraftverlust der Verbraucherinnen und Verbraucher durch höhere Einnahmen aus Energieexporten (Schieferöl und Flüssiggas) weitgehend ausgeglichen wird. Der Effekt auf die Kaufkraft ist unmittelbarer und bremst die Wirtschaft aus, aber das Trendwachstum ist angesichts der Staatsausgaben im Rahmen des „One Big Beautiful Bill“-Gesetzespakets, das 2026 Wirkung zeigen wird, noch erreichbar.

Eskalation

Im Eskalationsszenario, in dem die Ölpreise auf über 150 USD/Barrel ansteigen, werden Großbritannien und die Eurozone wahrscheinlich eine Rezession erleben. Die Inflation würde am Jahresende aufgrund des Konflikts um 3,0 bis 3,5 Prozentpunkte höher liegen. Hinsichtlich der Inflation bleiben die USA stärker isoliert (1,0 Prozentpunkt höhere Inflation), und die Wachstumsrisiken sind begrenzter, insbesondere wenn die Regierung vor den Zwischenwahlen erneut auf Steuersenkungen setzt, um Unterstützung zu gewinnen.

Werden die Zinsen als Reaktion auf die steigende Inflation steigen?

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Zentralbanken die Zinssätze anheben, auch wenn die Gesamtinflation zu steigen beginnt. Unter sonst gleichen Bedingungen führt ein plötzlicher Preisschock bei bestimmten Waren dazu, dass die Kaufkraft der Privathaushalte sinkt, was dazu führt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Ausgaben einschränken. Dies wiederum übt einen Abwärtsdruck auf andere Waren und Dienstleistungen aus. In diesem Fall wäre der anfängliche Anstieg der Gesamtinflation nur von kurzer Dauer.

Es gibt jedoch zwei Faktoren, die bestimmen, ob Abwarten für Zentralbanken die richtige Entscheidung ist. Der erste betrifft die Rolle der Regierungspolitik. Wenn Regierungen dem politischen Druck nachgeben und die Kaufkraft der Privathaushalte wiederherstellen, wäre der Druck auf die Haushalte geringer, sich gegen Preissteigerungen in anderen Bereichen ihres Ausgabenkorbs zu wehren.

Zweitens baut ein kurzzeitiger Schock darauf, dass Beschäftigte von ihren Arbeitgebern nicht mehr Lohn verlangen. Auch wenn es verständlich ist, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die steigenden Lebenshaltungskosten entschädigt werden möchten, verschärfen höhere Löhne die Kostenprobleme der Unternehmen. Diese sehen sich dann gezwungen, ihre Preise weiter anzuheben – es entsteht eine Lohn-Preis-Spirale.

Die Zentralbanken unterschätzten sowohl die Reaktion der Regierungen als auch die Entschlossenheit der Beschäftigten im Jahr 2022. Die Inflation war daher alles andere als vorübergehend, so dass die Zentralbanken hinter der Kurve zurückblieben und sich bemühten, die Zinsen von außergewöhnlich niedrigen Niveaus aus schnell anzuheben.

Diesmal dürften die Zentralbanken jedoch weniger über Zweitrundeneffekte besorgt sein (siehe Abbildung 9). In Europa ist es unwahrscheinlich, dass die Regierungen den Geldbeutel auch nur annähernd so weit öffnen werden wie im Jahr 2022.

Die Privathaushalte werden im Großen und Ganzen die Hauptlast der höheren Kosten tragen. Dieser Kostendruck entsteht jedoch möglicherweise nicht in den USA, wo das Gesetzespaket „One Big Beautiful Bill“ bereits 2026 fiskalische Unterstützung bieten soll und sich zudem fiskalische Anreize im Vorfeld der Zwischenwahlen als zu verlockend erweisen könnten.

Auch sind die Arbeitsmärkte weltweit auf dem Weg in diese Krise viel schwächer als im Jahr 2022, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschäftigten höhere Löhne fordern, geringer ist. Das Gleiche gilt für die Angebotsseite der Wirtschaft, auf der derzeit mehr Spielraum besteht als in der Zeit nach dem Ende des Kalten Krieges, als großer Nachholbedarf bestand.

Zu beachten ist auch, dass die Ausgangssituation bei den Zinssätzen jetzt eine ganz andere ist, denn in den meisten Ländern liegen die sie auf oder über dem neutralen Niveau. Während die Zentralbanken in unserem zentralen Deeskalationsszenario möglicherweise ein Signal senden möchten, um vor drohenden Problemen zu warnen, gehen wir davon aus, dass sich die Leitzinsen zum Jahresende in den USA, in Großbritannien und in der Eurozone nahe ihrer aktuellen Niveaus bewegen werden.

Warum waren die Aktienmärkte so widerstandsfähig?

In den ersten Wochen des Konflikts kam es zu einem starken Abverkauf von Anleihen, insbesondere solchen mit kurzen Laufzeiten, während der S&P 500 nur um 4% zurückging. Selbst die zyklischeren Aktienmärkte schnitten relativ gut ab: Der MSCI Europe Index sank um 3% und der MSCI Emerging Markets Index stieg um 3%.

Es gibt einige Gründe für diese Widerstandsfähigkeit der Aktien.

Erstens standen Anlegerinnen und Anleger wahrscheinlich noch unter dem Einfluss anderer geopolitischer Ereignisse aus jüngster Zeit, die zwar ebenso dramatisch, aber letztlich von kurzer Dauer waren. Eine drastische Anpassung einer Position entweder am „Tag der Befreiung“, als Präsident Trump hohe Gegenzölle ankündigte, oder aufgrund von Trumps Ambitionen, Grönland zu erwerben, hätte sich im Nachhinein als unangebracht erwiesen.

Zweitens haben die Märkte den erwarteten Aufwärtsdruck auf die Inflation stärker eingepreist als den erwarteten Abwärtsdruck auf das Wachstum. Wir haben gesehen, dass sich zyklische Sektoren im Vergleich zu defensiven Sektoren gut gehalten haben, während Vermögenswerte wie Kupfer und Währungspaare wie AUD/USD ebenfalls besser abgeschnitten haben, als sie es normalerweise in risikoarmen Zeiten tun. Typische sichere Häfen wie Gold, der Schweizer Franken, der Yen und Staatsanleihen entwickelten sich schlechter, als es ihre historische Entwicklung hätte vermuten lassen.

Drittens ist die Zusammensetzung der Aktienmärkte in den letzten Jahrzehnten defensiver geworden. Im Europa-Index beispielsweise sind Banken und Titel des Gesundheitswesens nach Marktkapitalisierung mit etwa 12% gleich gewichtet. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 machten Banken etwa ein Fünftel des Index aus, während das Gesundheitswesen nur rund 7% ausmachte.

Viertens war, wie bereits erwähnt, die Dynamik vor Beginn dieser Krise gut. In den meisten Aktienregionen gab es positive Gewinnrevisionen, sei es in den USA, Europa, den Schwellenländern oder Japan. Grundsätzlich kommt eine höhere Inflation den Aktien zugute, da die Unternehmensumsätze in nominalen Zahlen ausgewiesen werden. Solange der Inflationsanstieg bescheiden bleibt und der Konsum weiter zunimmt, können sich Aktien also gut entwickeln.

Fünftens unterscheiden sich die Aktienmärkte von der Wirtschaft. Einige Aktienindizes profitieren angesichts der Gewichtung rohstoffbezogener Sektoren im Index von höheren Rohstoffpreisen. Der Energiesektor ist seit Jahresbeginn (Abbildung 10) und seit Beginn des Krieges in den meisten Regionen der Sektor mit der besten Performance. Auch Versorger haben sich gut entwickelt. Die starke Performance dieser Sektoren entspricht der historischen Entwicklung, wenn man frühere Ölschocks seit 1970 betrachtet. Daher machen, auch wenn in Europa nicht viel Öl produziert wird und höhere Ölpreise das BIP-Wachstum eher belasten als ankurbeln werden, rohstoffbezogene Aktien bis zu 13% der europäischen Aktien aus und werden für ein besseres Gewinnwachstum sorgen. Wir schätzen, dass ein Anstieg der Ölpreise um 10% das jährliche Gewinnwachstum des STOXX Europe 600 um etwa 2 Prozentpunkte erhöht. Im FTSE 100 und im MSCI Emerging Markets Index ist die Gewichtung der rohstoffbezogenen Sektoren sogar noch höher.

Sollten US-Technologiewerte als sicherer Hafen betrachtet werden?

Nach einem zunächst schwierigen Start ins Jahr 2026 haben sich die US-Technologiewerte seit Ende Februar besser entwickelt. Innerhalb des US-Marktes wies der Technologiesektor eine Outperformance gegenüber dem breiten US-Index auf, und weltweit schnitten US-Aktien besser ab als viele ihrer regionalen Pendants.

In Zeiten steigender wirtschaftlicher Unsicherheit nimmt die Nachfrage nach Unternehmen höherer Qualität tendenziell zu. Die unglaublich starken Bilanzen vieler US-amerikanischer Tech-Giganten deuten darauf hin, dass für diese Unternehmen die Definition von „höherer Qualität“ gerechtfertigt ist. Nach einer 18‑monatigen Phase, in der Qualitätsaktien unterdurchschnittlich abschnitten und Fundamentaldaten vom Markt weitgehend ignoriert wurden, sehen wir eine stärkere Ausrichtung auf Qualität über alle Sektoren hinweg als sinnvolle Möglichkeit, Aktienportfolios mehr Gewicht zu verleihen, wie wir vor kurzem geschrieben haben (siehe „Was bewegt Anlegerinnen und Anleger?: Anlegerinnen und Anleger, die widerstandsfähige Portfolios anstreben, sollten der Qualität besondere Beachtung schenken“).

Wir glauben jedoch nicht, dass sich der Iran-Konflikt als Katalysator für eine weitere Phase anhaltender Outperformance von US-Technologiewerten erweisen wird. Für diese Einschätzung gibt es drei zentrale Gründe:

Erstens dürfte die jüngste Marktentwicklung stark von der Positionierung der Anlegerinnen und Anleger vor diesem Schock beeinflusst worden sein. Viele der in diesem Jahr beliebten Long-Positionen wurden besonders hart getroffen (z. B. koreanische und japanische Aktien sowie Gold). Gleichzeitig ist die unterdurchschnittliche Entwicklung der US-Technologiewerte (insbesondere US-Softwaretitel, die im laufenden Jahr bis zum 27. Februar um mehr als 20% gefallen sind) wahrscheinlich ein Grund dafür, warum sich dieser Bereich des Marktes als relativ widerstandsfähig gezeigt hat.

Zweitens gehen wir davon aus, dass sich die Anlegerinnen und Anleger im Rahmen ihrer Auseinandersetzung mit den Auswirkungen eines Energieschocks stärker darauf konzentrieren werden, wie Lieferkettenunterbrechungen möglicherweise den bestehenden Kostendruck im Technologiesektor verstärken. Taiwan, ein wichtiger Bestandteil in der Halbleiter-Lieferkette, ist für fast seinen gesamten Strombedarf auf Importe angewiesen, während die Produktion anderer für die Chipherstellung wichtiger Materialien, wie Helium, stark im Nahen Osten konzentriert und daher auf den Transit durch die Straße von Hormus angewiesen ist. Je weiter die Kosten in die Höhe getrieben werden, desto schwieriger wird es für die großen Tech‑Konzerne, in Zukunft aus den enormen Investitionen Erträge zu erzielen.

Drittens haben sich Technologieunternehmen (und Wachstumswerte im Allgemeinen) in Zeiten niedriger oder sinkender Zinsen in der Vergangenheit besser entwickelt. Die Zinserwartungen haben sich bereits erheblich verändert. Wenn ein Anziehen der Inflation mit einem neuen fiskalischen Unterstützungspaket einhergeht, könnten die längerfristigen Zinssätze in den USA steigen, was eine Herausforderung für Wachstumswerte darstellen könnte.

Welche anhaltenden Auswirkungen hat der Konflikt auf die Investitionen?

Unserer Ansicht nach werden durch den Konflikt vier wichtige Anlagethemen verstärkt, auf die wir seit einigen Jahren hinweisen:

  • Sicherheit: Regierungen in aller Welt versuchen, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken, indem sie sich auf die Sicherheit in all ihren Formen konzentrieren – Militär, Energie, wichtige Ressourcen. Die Bereitschaft, diese Bemühungen mit einem entsprechenden Budget auszustatten, dürfte nun noch größer sein.
  • Nach innen gerichtetes Kapital: Nicht zuletzt aufgrund staatlicher Ermutigung werden die Anlegerinnen und Anleger möglicherweise sorgfältiger über die geografische Verteilung ihres Kapitals und den Risikoaufschlag nachdenken, den sie für ausländische Investitionen ansetzen. Dies könnte zu einer erheblichen Verlagerung der globalen Kapitalallokation führen, da ehemalige Überschussländer ihr Kapital im Inland einsetzen.
  • US-Dollar auf einem neuen Pfad: Länder außerhalb der USA haben insgesamt 26 Billionen USD mehr in die US‑Wirtschaft investiert, als die USA im Ausland investiert haben. Wenn dieses Kapital nun vermehrt im Inland eingesetzt wird, dürfte dieser Kapitalfluss den Dollar unter Druck setzen.
  • Neue Schocks erzeugen neue Risiken: Während Anleihen gut geeignet sind, um ein Portfolio vor Nachfrageschocks zu schützen, erfordern immer häufiger auftretende Kostenschocks eine stärkere Allokation in neue Diversifikatoren wie Rohstoffe, Kerninfrastruktur, Nutzholz, Transportmittel und Makro-Hedgefonds.
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