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Wer heute an die Börse geht, ist meist kein junges Wachstumsunternehmen mehr, sondern ein bereits etabliertes Unternehmen, das sein starkes Wachstum schon vor dem Börsengang vollzogen hat.

Nach dem Börsengang von SpaceX Anfang Juni dürfte 2026 ein Rekordjahr für Börsengänge werden, zumal sowohl Anthropic als auch OpenAI in den kommenden Monaten folgen werden. Wir gehen zwar nicht davon aus, dass diese Börsengänge die US-Aktienmärkte in naher Zukunft unter Druck setzen werden, sind jedoch der Ansicht, dass sie verdeutlichen, wie wichtig es heutzutage ist, in private Märkte zu investieren, da sich dort mittlerweile sehr viel Wert ansammelt.

Börsengang

Die Aussicht auf den Börsengang sehr großer Unternehmen am US-Aktienmarkt hat bei den Anlegerinnen und Anlegern Bedenken geweckt, ob es eine ausreichende Nachfrage für dieses zusätzliche Angebot an neuen Aktien gibt oder ob diese Börsengänge das Interesse an anderen Aktien „verdrängen“ werden. Es gibt jedoch drei Gründe, warum wir nicht davon ausgehen, dass sich dies im weiteren Verlauf des Jahres 2026 negativ auf die Entwicklung der US-Aktien auswirken wird.

Erstens wird die Aufnahme von SpaceX, OpenAI und Anthropic in die wichtigsten Aktienindizes trotz einer kombinierten Bewertung von mehr als 4.000 Mrd. USD nach und nach erfolgen. Die meisten wichtigen Aktienmarktindizes werden nach dem Wert der Aktien eines Unternehmens gewichtet, die für den öffentlichen Handel zur Verfügung stehen. Mit anderen Worten: nach dem Streubesitz, nicht nach der gesamten Marktkapitalisierung. SpaceX beispielsweise hat bei seinem Börsengang im Juni nur rund 4% seiner Aktien in den Handel gebracht. Abbildung 1 zeigt die potenzielle Gewichtung der Mega-Cap-Neuzugänge im S&P 500.

Zwar wird der Streubesitzanteil der diesjährigen großen Börsengänge im Laufe der Zeit steigen, doch gibt es Vorschriften, die begrenzen, wie schnell dies geschehen darf. Bevor ein Unternehmen an die Börse geht, ist das Eigentum in der Regel auf die Gründungsmitglieder des Unternehmens, seine Beschäftigten und frühzeitige Anlegerinnen und Anleger verteilt. Um ein Überangebot an Aktien unmittelbar nach dem Börsengang zu vermeiden, dürfen diese „Eigentümerinnen und Eigentümer“ ihre Anteile oft erst 90 bis 180 Tage nach dem Börsengang verkaufen, was als Sperrfrist oder Lock-up-Periode bezeichnet wird. Betrachtet man die 10 größten Börsengänge zwischen 2010 und 2025, so lag der durchschnittliche Streubesitz am ersten Tag bei etwa 45% und war Daten von J.P. Morgan Research zufolge sechs Monate später auf etwa 80% gestiegen.

Es ist auch zu beachten, dass neu gelistete Unternehmen nicht automatisch ab dem ersten Tag in alle Referenzindizes aufgenommen werden. Einige Indexanbieter wie FTSE, MSCI und Nasdaq haben sogenannte „Fast-Entry“-Regeln eingeführt, wonach Mega-Cap-Unternehmen nun bereits nach wenigen Handelstagen in wichtige Referenzindizes aufgenommen werden. S&P Global verlangt jedoch weiterhin, dass Unternehmen 12 Monate lang gehandelt wurden, bevor sie für eine Aufnahme in den S&P 500 in Betracht gezogen werden.

Des Weiteren sind die Anreize zu berücksichtigen, die sich aus der „zirkulär finanzierten“ Struktur von Unternehmen im Tech-Ökosystem ergeben. Die Komplexität der Finanzierungsvereinbarungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) hat zu einer Vielzahl von gegenseitigen Abhängigkeiten geführt, wobei viele der größten Unternehmen Beteiligungen an anderen Akteuren halten. Die Anreize für alle Unternehmen im Tech-Ökosystem, dafür zu sorgen, dass diese Börsengänge reibungslos verlaufen, liegen daher auf der Hand.

Und schließlich müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass die große Frage in Bezug auf die Bewertungen von Technologieaktien darin besteht, ob die Technologieunternehmen einen Ertrag aus ihren Investitionen erzielen werden. Wie wir in unserem Investmentausblick für das 2. Halbjahr 2026 erläutern, hängt die Antwort davon ab, ob es Unternehmen außerhalb des Technologiesektors gelingt, ihre Produktivität und Rentabilität zu steigern. Zwar werden die Anforderungen an die vierteljährliche Berichterstattung zu deutlich größerer Transparenz hinsichtlich der Aussichten auf zukünftige Rentabilität führen, doch dürfte diese Frage noch einige Zeit unbeantwortet bleiben. Wir wissen bereits, dass alle diesjährigen Börsenneulinge große Ambitionen hinsichtlich ihrer Rolle in einer von KI geprägten Zukunft hegen, doch es ist unwahrscheinlich, dass frühe Gewinnmeldungen die Einschätzung der Anlegerinnen und Anleger darüber, wie sich diese Unternehmen im kommenden Jahrzehnt entwickeln werden, in die eine oder andere Richtung wesentlich beeinflussen werden.

Wer nicht mitspielt, kann nicht gewinnen

Auch wenn keine nennenswerten unmittelbaren Auswirkungen auf den US-Aktienmarkt zu erwarten sind, lässt sich aus diesen Börsengängen doch eine Lehre ziehen: die Notwendigkeit, in einem modernen Portfolio auch in private Märkte zu investieren.

SpaceX wurde 2002 gegründet und blieb damit 24 Jahre lang ein Privatunternehmen, bevor es mit einer Bewertung von 1.770 Mrd. USD an die Börse ging. Seither ist sein Wert auf über 2.000 Mrd. USD gestiegen und hat damit zeitweise sogar die Marktkapitalisierung von Amazon übertroffen.

Der Gegensatz zu vielen der aktuell größten börsennotierten Unternehmen ist bemerkenswert. Amazon ging 1997, drei Jahre nach seiner Gründung, mit einem Jahresumsatz von rund 0,3 Mrd. USD und einer Bewertung von weniger als 1 Mrd. USD (nach heutigem Kurswert) an die Börse. Google ging nach sechs Jahren mit einem Umsatz von fast 4,8 Mrd. USD und einer Bewertung von rund 40 Mrd. USD an die Börse. Der Börsengang von Meta erfolgte acht Jahre nach seiner Gründung mit einem Umsatz von 5,4 Mrd. USD und einer Bewertung von rund 151 Mrd. USD. SpaceX ging nach 24 Jahren mit einem Umsatz von 18 Mrd. USD und einer Bewertung von 1.770 Mrd. USD an die Börse. Damit betrug die Bewertung beim Börsengang mehr als das 40-Fache von Google, nahezu das 12-Fache von Meta und fast das 2.000-Fache von Amazon (siehe Abbildung 2).

Zwar stellt SpaceX ein extremes Beispiel dar, doch dieser Trend geht weit über ein einzelnes Unternehmen hinaus. Während des Technologiebooms Ende der 1990er Jahre ging ein durchschnittliches Technologieunternehmen nach weniger als sechs Jahren an die Börse. Diese Zahl hat sich seitdem auf 12 Jahre verdoppelt. Unternehmen bleiben nicht nur länger in Privatbesitz, sondern treten auch in einem grundlegend anderen Reifestadium in die öffentlichen Märkte ein (siehe Abbildung 3).

Diese größere Reife ist klar am Jahresumsatz zu erkennen (siehe Abbildung 4). Heute erzielt das durchschnittliche Technologieunternehmen fast das Dreifache des Jahresumsatzes beim Börsengang im Vergleich zu einem typischen Unternehmen, das in den 1990er Jahren an die Börse kam, als der durchschnittliche Umsatz noch weniger als 50 Mio. USD – nach heutigem Kurs – betrug. Das typische Unternehmen, das an die Börse geht, ist nicht mehr ein junges, schnell wachsendes Unternehmen in der Anfangsphase, sondern ein etabliertes Unternehmen, das einen Großteil seiner Expansion bereits als Privatunternehmen vollzogen hat.

Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand. Unternehmen bleiben viel länger in privater Hand und verzeichnen ein beträchtliches Wachstum, bevor sie Anlegerinnen und Anlegern zur Verfügung stehen, die sich ausschließlich auf öffentliche Märkte konzentrieren.

Auch hier geht der Trend über SpaceX hinaus. Die Zunahme des privaten Kapitals in den letzten zwei Jahrzehnten hat die Finanzierungsmöglichkeiten für ambitionierte Unternehmen grundlegend verändert. Nehmen wir Anthropic als Beispiel. Im Mai 2026 nahm das Unternehmen im Rahmen einer „Serie H“-Finanzierungsrunde in der Spätphase 65 Milliarden USD auf, woraufhin der Unternehmenswert auf 965 Mrd. USD stieg. Unternehmen können nun das für ihr Wachstum erforderliche Kapital beschaffen, ohne jemals auf die öffentlichen Märkte zurückgreifen zu müssen. Infolgedessen findet ein wachsender Anteil der dynamischsten Wertschöpfung in der Wirtschaft auf privaten Märkten statt, noch bevor öffentliche Anlegerinnen und Anleger daran teilhaben können.

Die sich verändernde Zusammensetzung der Märkte spiegelt diesen Trend, länger in privater Hand zu bleiben, wider. In einem Bericht von Bain & Company aus dem Jahr 2023 wurde erwähnt, dass 86% der Unternehmen mit Umsätzen über 100 Mio. USD in den USA immer noch in Privatbesitz waren. Die öffentlichen Aktienmärkte weisen trotz ihrer Tiefe und Liquidität mittlerweile fast 30% weniger Unternehmen auf als noch Ende der 1990er Jahre. Die Unternehmen, die das nächste Jahrzehnt des Wirtschaftswachstums maßgeblich prägen könnten, könnten dem Weg von SpaceX folgen – indem sie auf den privaten Märkten zu außergewöhnlicher Größe heranwachsen, bevor sie, wenn überhaupt, an die Börse gehen.

Die Lehre daraus ist klar: Um heutzutage die gesamte Bandbreite des Wirtschaftswachstums zu nutzen und bereits in den frühesten Phasen an der Wertschöpfung teilzuhaben, ist es zunehmend erforderlich, sowohl auf öffentlichen als auch auf privaten Märkten präsent zu sein.

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