Der Juli war von zwei gegensätzlichen Marktphasen geprägt. Zu Monatsbeginn trieben eskalierende Spannungen zwischen den USA und dem Iran den Preis für Brent-Rohöl kurzzeitig über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel und beflügelten so Energiepreise und Rohstoffe (+7,5%). Als die geopolitischen Sorgen nachließen, rückten die Berichtssaison zum zweiten Quartal und die Frage nach der Nachhaltigkeit der Erträge im gesamten KI-Investitionszyklus wieder in den Fokus. Statt einer breiten Abkehr von KI führte die Berichtssaison vor allem dazu, dass Anlegerinnen und Anleger genauer hinschauten, wo künftige Gewinne tatsächlich anfallen dürften. Während sich einige der größten Hyperscaler vergleichsweise robust zeigten, gerieten Halbleiterunternehmen und andere KI-Profiteure erheblich unter Druck – belastet von hohen Bewertungen, Sorgen über Exportkontrollen und den technologischen Fortschritt Chinas.
Erzwungene Positionsauflösungen einiger Hedgefonds verstärkten den Ausverkauf zusätzlich: Der MSCI World Semiconductors Index verlor 13,2%, der MSCI World Information Technology Index gab um 4,1% nach. Diese Schwäche im Technologiesektor sorgte zusammen mit kräftigen Zuwächsen bei Energie (+8,8%) und Finanzwerten (+6,5%) dafür, dass Value-Titel (+3,6%) im Monatsverlauf um mehr als sechs Prozentpunkte besser abschnitten als Growth-Werte (−2,5%).
Japanische Staatsanleihen entwickelten sich im Monatsverlauf überdurchschnittlich. Der ausgewiesene Ertrag verdeckte jedoch erhebliche Schwankungen innerhalb des Monats: Nach Regierungsankündigungen über zusätzliche fiskalische Impulse stiegen die Renditen zunächst an, bevor sich diese Bewegung teilweise wieder umkehrte.
Obwohl die US-Notenbank ihre Leitzinsen unverändert ließ, zogen sowohl die Renditen zweijähriger als auch zehnjähriger US-Staatsanleihen im Monatsverlauf an, da die Märkte den erwarteten geldpolitischen Kurs neu bewerteten. Zwar ging die Inflation weiter zurück, doch robuste Konjunkturdaten und höhere Energiepreise bekräftigten die Erwartung, dass Zinsen und Inflation länger höher bleiben werden. Den stärksten Anstieg der Zehnjahresrenditen verzeichnete Italien. Dies war jedoch kein Ausdruck neuer Sorgen um die italienischen Staatsfinanzen, sondern spiegelte vor allem wider, dass italienische Staatsanleihen typischerweise stärker schwanken als europäische Kernanleihen, wenn Anleger ihre Erwartungen an die Zinsen im Euroraum neu justieren. Über die einzelnen Anleihesegmente hinweg ergaben sich die Ertragsunterschiede überwiegend aus der Duration und weniger aus der Kreditqualität.
Zwar weiteten sich die Spreads von Hochzinsanleihen im Monatsverlauf stärker aus als jene von Investment-Grade-Anleihen, doch die kürzere Duration und der höhere Carry der Hochzinsindizes halfen, die Auswirkungen steigender Staatsanleiherenditen abzufedern. Investment-Grade-Anleihen mussten dagegen größere Verluste hinnehmen. Innerhalb des Investment-Grade-Segments weiteten sich die Spreads im Technologiebereich gegenüber dem breiten Index aus, da die hohen Anleiheemissionen der US-Hyperscaler zur Finanzierung ihrer anhaltenden Investitionen in die KI-Infrastruktur das Angebot am Markt erhöhten.
Am Anleihemarkt gab der Bloomberg Global Aggregate Bond Index um 0,5% nach, da die Anlegerinnen und Anleger ihre Erwartungen an Inflation und Zinsen neu justierten. Höhere Energiepreise und robuste Konjunkturdaten trugen zu einem breit angelegten Anstieg der Staatsanleiherenditen bei.
Aktien
Die Entwicklung der einzelnen regionalen Aktienmärkte spiegelte im Juli deutliche Unterschiede in der Sektorzusammensetzung wider. Der britische FTSE All-Share entwickelte sich mit einem Plus von 3,7% besser als die meisten anderen Industrieländermärkte und profitierte von seiner vergleichsweise geringen Technologiegewichtung sowie seinem höheren Anteil an Sektoren, die im Monatsverlauf gut abschnitten. Die starke Entwicklung der Energiewerte, gestützt durch höhere Ölpreise, sowie Zuwächse bei Finanzwerten glichen schwächere Erträge in anderen Bereichen aus. Japanische Aktien zeigten sich im Monatsverlauf uneinheitlich: Der TOPIX schloss weitgehend unverändert, während der technologielastige Nikkei 225 um fast 8% nachgab, da Halbleiterunternehmen unter Druck gerieten.
Die Divergenz zwischen beiden Indizes ging auf Unterschiede in der Sektorzusammensetzung zurück – die stärkere Gewichtung von Industriewerten, Finanzwerten und binnenorientierten Unternehmen im TOPIX half, die Schwäche im Technologiesektor auszugleichen. Europäische Aktien tendierten im Monatsverlauf weitgehend seitwärts. Die Region liegt hinsichtlich ihrer Sektorzusammensetzung zwischen dem Großbritannien und den USA; ihr Engagement in Industrie- und Finanzwerten half, die Schwäche technologienaher Unternehmen abzufedern.
Trotz einer starken Berichtssaison zum zweiten Quartal bewegte sich auch der S&P 500 im Monatsverlauf weitgehend seitwärts. Zum Zeitpunkt der Erstellung hatten 63% der Indexunternehmen ihre Zahlen vorgelegt, wobei die Gewinne auf einem Wachstumskurs von 36% gegenüber dem Vorjahr lagen. 85% der Unternehmen übertrafen die Analystenerwartungen – und das, obwohl die Erwartungen im Vorfeld der Berichtssaison bereits gestiegen waren, was dem üblichen Muster widerspricht. Für viele der größten Technologieunternehmen reichte es jedoch nicht aus, die Gewinnprognosen lediglich zu übertreffen, um die Anleger zu überzeugen.
Vielmehr suchten die Märkte nach Belegen dafür, dass die anhaltend steigenden Investitionsausgaben für KI auch einen attraktiven Kapitalertrag abwerfen würden. Unter der Oberfläche bleibt das Gewinnwachstum zudem stark konzentriert: Informationstechnologie und Kommunikationsdienste machten rund drei Viertel des gesamten Gewinnwachstums im S&P 500 aus, während die „Magnificent Seven" den breiteren Markt weiterhin hinter sich ließen. Ein Teil der auf den ersten Blick starken Zahlen wurde zudem durch einmalige Investitionsgewinne bei mehreren Hyperscalern begünstigt. Am schwächsten schnitten die Schwellenländer ab: Der MSCI Emerging Markets Index verlor 3,0%, der MSCI Asia ex-Japan Index 3,2%. Anders als in den USA, wo das KI-Engagement auf Hyperscaler und Softwareplattformen konzentriert ist, sind die Schwellenländer stärker in der Lieferkette der Halbleiterfertigung engagiert.
Sorgen über fortschrittliche Halbleitertechnologie aus China lösten heftige Kursverluste bei SK Hynix (−35%) und Samsung Electronics (−21%) aus, wobei gehebelte Einzelaktien-ETFs die Rückgänge zusätzlich verschärften. In der Folge blieben Taiwan (−5,3%) und Südkorea (−17,1%) zurück und machten damit den positiven Beitrag Chinas (+9,0%) zum Index im Monatsverlauf mehr als zunichte.
Anleihen
Die Renditen von Staatsanleihen zogen in den Industrieländern an, da steigende Energiepreise und robuste Konjunkturdaten die Anleger veranlassten, ihre Erwartungen an Inflation und Zinsen zu überdenken. Zwar beließen die großen Zentralbanken der Industrieländer ihre Leitzinsen unverändert, doch ein insgesamt restriktiver Ton bestärkte die Erwartung, dass die Zinsen länger höher bleiben werden – die Märkte preisten weiterhin Zinserhöhungen der großen Zentralbanken über die kommenden zwölf Monate ein.
Japanische Staatsanleihen entwickelten sich im Monatsverlauf überdurchschnittlich. Der ausgewiesene Ertrag verdeckte jedoch erhebliche Schwankungen innerhalb des Monats: Nach Regierungsankündigungen über zusätzliche fiskalische Impulse stiegen die Renditen zunächst an, bevor sich diese Bewegung teilweise wieder umkehrte.
Obwohl die US-Notenbank ihre Leitzinsen unverändert ließ, zogen sowohl die Renditen zweijähriger als auch zehnjähriger US-Staatsanleihen im Monatsverlauf an, da die Märkte den erwarteten geldpolitischen Kurs neu bewerteten. Zwar ging die Inflation weiter zurück, doch robuste Konjunkturdaten und höhere Energiepreise bekräftigten die Erwartung, dass Zinsen und Inflation länger höher bleiben werden. Den stärksten Anstieg der Zehnjahresrenditen verzeichnete Italien. Dies war jedoch kein Ausdruck neuer Sorgen um die italienischen Staatsfinanzen, sondern spiegelte vor allem wider, dass italienische Staatsanleihen typischerweise stärker schwanken als europäische Kernanleihen, wenn Anleger ihre Erwartungen an die Zinsen im Euroraum neu justieren. Über die einzelnen Anleihesegmente hinweg ergaben sich die Ertragsunterschiede überwiegend aus der Duration und weniger aus der Kreditqualität.
Zwar weiteten sich die Spreads von Hochzinsanleihen im Monatsverlauf stärker aus als jene von Investment-Grade-Anleihen, doch die kürzere Duration und der höhere Carry der Hochzinsindizes halfen, die Auswirkungen steigender Staatsanleiherenditen abzufedern. Investment-Grade-Anleihen mussten dagegen größere Verluste hinnehmen. Innerhalb des Investment-Grade-Segments weiteten sich die Spreads im Technologiebereich gegenüber dem breiten Index aus, da die hohen Anleiheemissionen der US-Hyperscaler zur Finanzierung ihrer anhaltenden Investitionen in die KI-Infrastruktur das Angebot am Markt erhöhten.
Fazit
Zusammenfassend hat der Juli gezeigt, wie schnell die Märkte zwischen Geopolitik und dem KI-getriebenen Investitionszyklus hin- und herschwenken können. Ein kurzer Ölpreissprung ließ die Inflationssorgen wieder aufleben und trieb die Anleiherenditen nach oben, während sich Aktienanleger von Halbleiterunternehmen abwandten und in Value-orientierte Sektoren wie Energie und Finanzwerte umschichteten. Diese Unterschiede spiegelten sich auch in den regionalen Erträgen wider: Der britische FTSE All-Share und der japanische TOPIX erwiesen sich als vergleichsweise robust, während die Schwellenländer aufgrund ihrer stärkeren Abhängigkeit von der Halbleiter-Lieferkette zurückblieben. Mit Blick nach vorn dürften die Märkte sowohl gegenüber energiebedingten Inflationsrisiken als auch gegenüber der Frage der Nachhaltigkeit KI-bezogener Gewinne empfindlich bleiben. Wie in unserem Ausblick zur Jahresmitte erläutert, erfordern diese Risiken unterschiedliche Diversifikationsinstrumente: Staatsanleihen bleiben der wirksamste Schutz gegen eine Wachstumsverlangsamung infolge einer nachlassenden KI-Euphorie, während reale Vermögenswerte für Widerstandsfähigkeit sorgen können, sollte sich die Inflation hartnäckiger halten als erwartet.