Skip to main content
logo
  • Fonds
    Übersicht

    Leistungsspektrum

    • Einen Fonds suchen
    • Exchange Traded Funds (ETF)
    • Anleihen
    • Aktien
    • Multi Asset
    • Alternative Investments

    Möglichkeiten zu investieren

    • Wie Sie in unsere Fonds investieren

    Fondsinformationen

    • Ankündigungen
    • Dividendenausschüttung
    • Besteuerungsgrundlagen
  • Fokusthemen
    Übersicht
    • Dividenden
    • Income
    • ETFs
    • ELTIF
    • Nachhaltiges Investieren
  • Insights
    Übersicht
    • Investmentausblick 2026
    • Guide to the Markets
    • Weekly Brief
    • Anlage-Grundsätze
    • Warum alternative Anlagen?
    • Gallers Standpunkt
    • Was bewegt Anlegerinnen und Anleger?
  • Bibliothek
  • Über uns
    Übersicht
    • Presse
    • Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion
  • Kontakt
  • Funktion
  • Land
Suchen
Menü
Suchen
Gallers Standpunkt

Tilmann Galler, Kapitalmarktexperte bei J.P. Morgan Asset Management blickt einmal im Monat auf die aktuellen Entwicklungen der Märkte.

Drama in Fernost

Durch die Rückkehr der Inflation stößt die japanische Verschuldungspolitik an ihre Grenzen

Weitgehend unbeachtet von den globalen Kapitalmärkten spielt sich seit zwölf Monaten am japanischen Staatsanleihenmärkten ein bemerkenswertes Drama ab. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen Japans haben sich innerhalb von 13 Monaten auf 2,2 Prozent verdoppelt und die 40-jährigen Anleihen rentieren auf dem höchsten Stand seit 2007. Der Yen ist gleichzeitig über zehn Prozent gegenüber dem Euro abgestürzt und markierte im Januar mit 185 Yen/EUR ein neues Allzeittief.

Die Ursache liegt in den Bedenken der Märkte hinsichtlich der japanischen Finanzen und der inzwischen hartnäckigen Inflation. Seit dem Amtsantritt der neuen Premierministerin Sanae Takaichi haben die Ängste nochmals zugenommen. Sie steht für ein Ende der Haushaltskonsolidierung und möchte mit einer zweijährigen Senkung der Verbrauchssteuer auf Lebensmittel die Inflation bekämpfen. Dies dürfte so wirksam sein, wie Feuer mit Benzin zu löschen, und mittelfristig die Inflation durch höhere heimische Nachfrage und steigende Importgüterpreise vielmehr wieder anheizen und zu weiteren Zinsanstiegen an den Anleihenmärkten führen. Das Risiko einer Abwärtsspirale beim Yen und Anleihen nimmt deshalb zu. Sollten die Politikvorhaben nach der Wahl am 8. Februar Bestand haben, könnte der japanischen Premierministerin ein ähnliches Schicksal drohen wie der britischen Premierministerin Liz Truss, deren expansive Haushaltspläne durch eine Verkaufspanik bei britischen Staatsanleihen gestoppt wurde.

Wir sollten dieser Entwicklung in Fernost unsere Aufmerksamkeit schenken, denn Japan ist in vielen Bereichen ein Vorreiter. Was dort heute passiert, könnten wir morgen auch bei uns erleben, da es einige Parallelen in der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung gibt.

Die japanische Wirtschaftspolitik der letzten 35 Jahre war geprägt von einer beispiellosen Verschuldungspolitik. Die Staatsverschuldung ist von 63 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahre 1990 auf 203 Prozent des BIP im Jahr 2025 angestiegen. Die hohen Schulden waren in den letzten Jahrzehnten nur durch eine dauerhafte Niedrigzinspolitik und einer strengen Kontrolle der Zinsstrukturkurve tragbar. Die chronisch tiefe Inflation nach dem Platzen der Vermögensblase rechtfertigte diese drastischen Maßnahmen für die japanische Notenbank. Letztendlich war es genau diese Symbiose zwischen Notenbank und Regierung, die es Japan erst ermöglichte, diese gewaltige Verschuldung anzuhäufen.

Diese Entwicklung sehen wir seit vielen Jahren auch in den USA und Europa. Immer mehr Regierungen lassen sämtliche Hemmungen vor zusätzlicher Verschuldung fallen – mit der klaren Erwartungshaltung, dass im Notfall die Notenbanken mit tiefen Zinsen und finanzieller Repression zur Hilfe eilen. Jüngstes Beispiel sind die Steuersenkungen des US-Präsidenten und der Druck auf die Federal Reserve, die Zinsen zu senken, obwohl die US-Inflation immer noch über dem Zentralbankziel liegt. Der Pfad der US-Staatschulden von 55 Prozent auf 121 Prozent in 25 Jahren erinnert deshalb sehr stark an die Entwicklung Japans.

Japan ist auch Vorreiter in der demografischen Entwicklung. Die Alterung der Gesellschaft und die steigenden Anforderungen an die Sozialsysteme trugen zur Verschuldungspolitik der letzten Jahre bei. Die demografische Situation wird sich in den nächsten 25 Jahren in den USA und insbesondere in Europa dramatisch verschlechtern. Mehr Schulden scheinen deshalb in den USA das Mittel der Politik zur Bekämpfung der wachsenden Ungleichheit zu sein. Und in Europa scheinen sie unvermeidlich, um den kaum mehr zu finanzierenden Wohlfahrtsstaat am Leben zu halten.

Das Beispiel Japans zeigt aber auch, dass Rekordverschuldung nicht unmittelbar zu einer Schuldenkrise führen muss, wenn ein Großteil der Schulden (90 Prozent) im Inland gehalten werden. Die jüngsten Marktreaktionen in Japan zeigen aber klar auf, wohin dauerhafte Verschuldungspolitik führt – zu Geldentwertung. Investoren können sich gegen diese Politik mit einem stärkeren Gewicht von realen Vermögenswerten wappnen. In den letzten fünf Jahren verloren japanische Anleihen 14 Prozent und der Yen 30 Prozent seines handelsgewichteten Außenwertes. Heimische Aktien hingegen konnten ihren Wert verdoppeln.

Tilmann Galler ist globaler Kapitalmarktstratege bei

J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt

Bleiben Sie immer auf dem aktuellsten Stand

Folgen Sie Tilmann Gallers LinkedIn Newsletter, um nichts mehr zu verpassen.

Tilmann-Galler-LinkedIn