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  • Zinsmärkte: US-Zinskurve könnte flach unter die 3-Prozent-Marke fallen
  • Kreditmärkte: Historische Tiefstände bei US-High-Yield-Spreads und neue Dynamik in Schwellenländern

Frankfurt, 23. Januar 2026 – Während die globalen Anleihenmärkte nach der Volatilität der Vorjahre auf eine Phase der Stabilisierung hoffen, könnten fundamentale Verschiebungen in der US-Geldpolitik und globale Liquiditätsströme das Jahr 2026 prägen. Neben den Basisszenarien wirft Bob Michele, Chief Investment Officer für Anleihen und Leiter der Global Fixed Income, Currency & Commodities Gruppe bei J.P. Morgan Asset Management, mit seinem Team auch immer einen Blick auf Themen und Entwicklungen, die einen gewissen Überraschungseffekt haben könnten. Ihre Wahrscheinlichkeit liegt bei mindestens eins zu drei, wobei sin der aktuellen Marktpreisbildung zumeist kaum berücksichtigt sind.

„Die Dynamik an den Anleihemärkten wird 2026 von Faktoren bestimmt, die weit über das Basisszenario hinausgehen“, erklärt Bob Michele. „Wir sehen ein Umfeld, in dem die US-Finanzpolitik und technisches Kaufinteresse zu Extremwerten führen könnten – von einem Rekordgoldpreis als perfektem ‚Tail-Risk-Hedge‘ bis hin zu einer flachen US-Zinskurve unter der 3-Prozent-Marke“, so Michele. So hat er mit seinem Team fünf „realistische Überraschungsszenarien“ für 2026 identifiziert:

1. Überraschungsszenario: Die US-Zinskurve ist bis zur 10-jährigen Laufzeit flach bei einer Rendite von unter 3 %

Nachdem die Zinskurve im Jahr 2025 steiler wurde, blieb die 2-jährige Rendite gegenüber dem Leitzins invers. Für 2026 sieht Bob Michele ein Szenario, in dem die Kurve komplett abflachen könnte. Voraussetzung für dieses Szenario ist, dass die Fed die Zinsen in Richtung eines neutralen Niveaus (2,5 bis 3,0 Prozent) senkt, während die Inflation durch das Auslaufen von Zolleffekten weiter normalisiert wird.

Nach dem Ende der quantitativen Straffung im Dezember könnte die Fed beginnen, ihre Bilanz im nächsten Jahr durch Käufe von US-Treasury Bills (T-Bills) auszuweiten, um dem Wachstum der im Umlauf befindlichen Währung Rechnung zu tragen. Die zunehmende Bedeutung von USD-Stablecoins sorgt für zusätzliche Nachfrage nach T-Bills.. „Das US-Finanzministerium könnte gleichzeitig seine Bemühungen verstärken, die Zinsen am langen Ende zu drücken, indem es das Angebot an langfristigen Anleihen begrenzt und den Anteil der Finanzierung über T-Bills erhöht – im Wissen, dass es mit der Fed, Geldmarktfonds und Stablecoin-Emittenten über feste Abnehmer verfügt“, so Michele über die Schritte, die erfolgen müssen, damit dieses Überraschungsszenario eintritt.

2. Überraschungsszenario: Gold steigt deutlich über 5.000 US-Dollar

Gold bietet laut Michele weiterhin eine gute Absicherung gegen Extremrisiken. Auf der einen Seite könnte die an den Kapitalmärkten reichlich vorhandene Liquidität durch eine Kombination aus monetären, fiskalischen und regulatorischen Impulsen aktiviert werden und zu einem Boom bei Wachstum und Inflation führen – oder das Szenario endet mit dem Platzen weltweiter Aktienblasen, wobei Gold als sicherer Hafen fungiert.

„Historisch gesehen tendiert Gold nach Beginn von Fed-Lockerungszyklen zur Rallye: In den letzten 10 Zinssenkungszyklen stieg Gold in den darauffolgenden sechs Monaten in 80 Prozent der Fälle an; durchschnittlich um 11 Prozent“, betont Michele. Treiber könnten neben Reserve Managern, die ihre Portfolios weiter diversifizieren wollen auch Wealth-Management-Plattformen sein, die Gold weiterhin als diversifizierten Wertspeicher akkumulieren. Auch könnten globale Sorgen um die fiskalische Stabilität und geopolitische Risiken die Nachfrage nach dem Edelmetall beschleunigen.

3. Überraschungsszenario: Der US-Dollar-Index (DXY) markiert ein neues Zyklushoch

Die Befürchtung einer „Sell-America“-Bewegung in der ersten Hälfte des Jahres 2025 hat sich nicht bewahrheitet. Die US-Kapitalmärkte bleiben laut Bob Michele die liquidesten der Welt mit der größten Tiefe und Breite. Auch wenn die Konzentration ausländischer Investoren in ungesicherten Dollar-Positionen möglicherweise einen Höhepunkt erreicht haben könnte, ist der Trend zur Absicherung in der jeweiligen Heimatwährungen abgeebbt.

„Es hat den Anschein, als sei das sogenannte ‚Dollar-Grinsen‘1 ein kurzlebiges Phänomen gewesen und das klassische ‚Dollar-Lächeln‘ wieder zum Vorschein gekommen. Zuletzt wertete der Dollar bei Risk-off-Stimmung auf, selbst wenn diese durch US-Themen wie KI-Aktien ausgelöst wurde“, stellt Bob Michele fest. Das Allzeithoch für den DXY lag 1985 über 160, der darauffolgende Peak 2001 über 120. Das lokale Hoch in diesem Zyklus lag im September 2022 bei 114 – ein Niveau, das rund 14 Prozent über dem aktuellen Stand liegt und laut Michele als Benchmark für ein neues Zyklushoch dient.

4. Überraschungsszenario: Die Spreads am US-Hochzinsmarkt erreichen ein neues Rekordtief

Laut dem Bloomberg U.S. Corporate High Yield Index lag das Allzeittief der Spreads im Jahr 2007 bei 233 Basispunkten. Nachdem das lokale Tief dieses Zyklus im November 2024 bei 253 Basispunkten markiert wurde, könnten 2026 neue Rekordtiefs folgen.

Die Kreditmärkte dürften die negativen Gegenwinde von Zöllen hinter sich lassen und sich auf die positiven Impulse des „One Big Beautiful Bill Act“ zubewegen. Michele verweist auf die starken technischen Faktoren: „Die Fälligkeiten wurden weit über 2026 hinaus verlängert, und der dominante Treiber für das Angebot sind Refinanzierungen. Zudem ist ein steigender Anteil des Kapitals besichert und die Ausfallraten bleiben niedrig.“ Da der Bereich Private Credit die marginalen Kreditnehmer absorbiert hat, die sich normalerweise in diesem Zyklusstadium am öffentlichen High-Yield-Markt finanziert hätten, verbessert sich die durchschnittliche Qualität im Index stetig.

5. Überraschungsszenario: Anteil der Schwellenländer-Staatsanleihen im EMBIG-Index mit negativen Spreads gegenüber Treasuries verdreifacht sich

Gegenwärtig werden weniger als 2 Prozent des J.P. Morgan Emerging Market Bond Index Global (EMBIG) mit einem negativen Spread gegenüber US-Treasuries gehandelt. Nur wenige Emittenten wie China und die Vereinigten Arabischen Emirate haben diesen Meilenstein bisher erreicht. Laut Michele handeln jedoch weitere rund 12 Prozent des Index mit einem Spread zwischen 0 und 50 Basispunkten.

„Wenn sich vor dem Hintergrund einer anhaltenden globalen wirtschaftlichen Expansion im nächsten Jahr auch nur ein Drittel dieses Universums in den negativen Bereich bewegt, würde sich der Anteil der Anleihen mit Negativ-Spreads von fast zwei auf sechs Prozent verdreifachen“, prognostiziert Michele. Als wahrscheinlichste Kandidaten gelten Emittenten aus dem Nahen Osten, gestützt durch eine massive lokale Käuferbasis, starke Fundamentaldaten dank Öleinnahmen und einen gewissen nationalen Stolz, die eigenen Anleihen unterhalb von US-Staatsanleihen zu handeln – ähnlich wie es China mit seinen Dollar-Anleihen erreicht hat. Zudem sind die technischen Faktoren stark und die Positionierung der Anleger bleibt verhalten. Sollte die Prognose nicht eintreten, könnten sogenannte Crossover-Käufer, die einen großen Teil des Marktes ausmachen, davor zurückschrecken, Schwellenländeranleihen mit niedrigeren Renditen als US-Treasuries zu erwerben.

Rückblick auf die Überraschungen 2025

Abschließend wirft Bob Michele einen kritischen Blick auf die Überraschungsszenarien, die er mit seinem Team für 2025 identifiziert hatte: „Die Prognose, dass Emerging Market Debt (EMD) und Emerging Market Currencies zweistellige Renditen erzielen, ist auf bestem Wege, sich zu bewahrheiten: EMD hat sich getrieben von der anhaltenden „soft landing“-Phase der Weltwirtschaft und weiteren Lockerungen der Zentralbanken weltweit überdurchschnittlich entwickelt. Für Investoren in ungesicherten EM-Lokalwährungsanleihen lag die Rendite in US-Dollar bei fast 20 Prozent“, führt Michele aus.

Auch mit der Prognose, dass die Entwicklung von Hochzinsanleihen, das fünfte Jahr in Folge die Unternehmensanleihen hoher Bonität übertreffen, lag das Team richtig. „Es war ein gutes Jahr für Carry, beide Anlageklassenklassen legten in US-Dollar rund 7–8 Prozent zu. US-Hochzinsanleihen konnten das Rennen um den ersten Platz knapp für sich entscheiden (8,5 Prozent in USD), währen US-Unternehmensanleihen mit Investment Grade bei 7,8 Prozent in USD landeten.

Bei den anderen Überraschungsszenarien hatte das Team zumindest teilweise recht: „Die Begründungen waren korrekt, die Prognosen aber vielleicht etwas zu ambitioniert“, gibt Michele zu.

Die vollständigen „Surprise Predictions“ für 2026 und der Realitätscheck für 2025 sind (in englischer Sprache) hier zu finden: https://am.jpmorgan.com/de/en/asset-management/institutional/insights/portfolio-insights/fixed-income/5-realistic-surprise-predictions-for-2026/

 

1 Als „Dollar Smile oder Dollar Lächeln“ wird das Phänomen beschrieben, dass der US-Dollar in zwei gegensätzlichen Wirtschaftslagen stärker wird: bei starkem US-Wachstum (Optimismus) und in globalen Krisen (Risikoaversion, "Risk-off"), weil er als sicherer Hafen gilt, während er bei moderatem US-Wachstum schwächelt. Eine neuere Variante ist wiederum der„Dollar Smirk oder das Dollar Grinsen“, die besagt, dass die klassische "Smile"-Theorie nicht mehr gilt, da der Dollar in der aktuellen Landschaft (z. B. aufgrund globaler Kapitalströme) seine „sichere Hafen“-Funktion in Krisen verliert und eher in schlechten Zeiten als im Aufschwung steigt, was eher einem Grinsen (Smirk) ähnelt.
Wichtige Hinweise:
Bei diesem Dokument handelt es sich um Werbematerial. Die hierin enthaltenen Informationen stellen jedoch weder eine Beratung noch eine konkrete Anlageempfehlung dar. Sämtliche Prognosen, Zahlen, Einschätzungen und Aussagen zu Finanzmarkttrends oder Anlagetechniken und -strategien sind, sofern nichts anderes angegeben ist, diejenigen von J.P. Morgan Asset Management zum Erstellungsdatum des Dokuments. J.P. Morgan Asset Management erachtet sie zum Zeitpunkt der Erstellung als korrekt, übernimmt jedoch keine Gewährleistung für deren Vollständigkeit und Richtigkeit. Die Informationen können jederzeit ohne vorherige Ankündigung geändert werden. J.P. Morgan Asset Management nutzt auch Research-Ergebnisse von Dritten; die sich daraus ergebenden Erkenntnisse werden als zusätzliche Informationen bereitgestellt, spiegeln aber nicht unbedingt die Ansichten von J.P. Morgan Asset Management wider. Die Nutzung der Informationen liegt in der alleinigen Verantwortung des Lesers. Der Wert, Preis und die Rendite von Anlagen können Schwankungen unterliegen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung. Das Eintreffen von Prognosen kann nicht gewährleistet werden. J.P. Morgan Asset Management ist der Markenname für das Vermögensverwaltungsgeschäft von JPMorgan Chase & Co. und seiner verbundenen Unternehmen weltweit. Telefonanrufe bei J.P. Morgan Asset Management können aus rechtlichen Gründen sowie zu Schulungs– und Sicherheitszwecken aufgezeichnet werden. Soweit gesetzlich erlaubt, werden Informationen und Daten aus der Korrespondenz mit Ihnen in Übereinstimmung mit der EMEA-Datenschutzrichtlinie von J.P. Morgan Asset Management erfasst, gespeichert und verarbeitet. Die EMEA-Datenschutzrichtlinie finden Sie auf folgender Website: www.jpmorgan.com/emea-privacy-policy. Herausgeber in Deutschland: JPMorgan Asset Management (Europe) S.à r.l., Frankfurt Branch Taunustor 1 D-60310 Frankfurt am Main. Herausgeber in Österreich: JPMorgan Asset Management (Europe) S.à r.l., Austrian Branch, Führichgasse 8, A-1010 Wien. 
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