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Hochwertige, langfristige Anleihen können im Falle einer von Technologie und KI ausgelösten Krise einen wichtigen Schutz bieten.

Wie im Abschnitt Wirtschaftswachstum dank geld- und fiskalpolitischer Impulse dargelegt, stützen beispiellose Konjunkturmaßnahmen in „Friedenszeiten“ aktuell sowohl die Wirtschaft als auch Risikoanlagen. Sollten all diese Exzesse zu Problemen führen, sehen sich Anlegerinnen und Anleger mit zwei wesentlichen Risiken konfrontiert: einer deutlich veränderten Stimmung gegenüber künstlicher Intelligenz (KI) sowie einem Wiederanstieg der Inflation. In diesem Kapitel untersuchen wir die Strategien, die Anlegerinnen und Anlegern zur Verfügung stehen, um diese Risiken zu mindern.

Was, wenn es sich um eine Blase handelt?

Wie im Abschnitt Technologiekonzentration sorgfältig steuern erläutert, können wir zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch nicht abschätzen, wie hoch die Endnutzernachfrage nach KI sein wird und ob die großen Technologieunternehmen in der Lage sein werden, die vom Markt erwarteten überdurchschnittlichen Gewinne aufrechtzuerhalten. Anlegerinnen und Anleger, die befürchten, dass diese hoch bewerteten Unternehmen die langfristigen Wachstumserwartungen möglicherweise nicht erfüllen werden, haben zwei wesentliche Absicherungsmöglichkeiten.

Im Falle einer durch Technologie und KI ausgelösten Krise, die stark deflationär wäre, sollten erstklassige Anleihen mit langer Laufzeit einen erheblichen Puffer bieten. Wird die Nachfrage nach KI-Infrastruktur überschätzt und fällt der Ertrag dieser Investition enttäuschend aus, könnte es ähnlich wie Anfang der 2000er Jahre zu Überkapazitäten, fallenden Preisen, sinkenden Margen und geringeren Investitionen kommen. Die Aktienkurse würden fallen, was zu negativen Vermögenseffekten und einem Rückgang der Konsumausgaben führen würde. Auch der Private Market wäre betroffen, da 36% der Private-Equity-Fonds und 25% der Private-Credit-Anlagen im Technologiesektor investiert sind.

Ein solches Szenario könnte die US-Wirtschaft in eine Rezession stürzen und die US-Notenbank (Fed) zu einer deutlichen Senkung der Zinsen veranlassen. Während der Dotcom-Blase und der globalen Finanzkrise erzielten langfristige US-Staatsanleihen Erträge von 29% bzw. 17% (siehe Abbildung 30). Auch erstklassige Unternehmensanleihen mit langer Laufzeit boten beim Platzen der Technologieblase Schutz.

Anlegerinnen und Anleger außerhalb der USA sollten zudem Währungsschwankungen berücksichtigen. In Zeiten von Marktstress legt der US-Dollar normalerweise zu. Angesichts der führenden Rolle US-amerikanischer Unternehmen im Bereich der KI ist sein Status als sicherer Hafen in diesem Szenario jedoch nicht gewährleistet. Je nach Höhe der Absicherungskosten könnten langfristige Kommunalanleihen eine Alternative zu US-Staatsanleihen darstellen. Aufgrund sinkender Renditen in der Eurozone und in Großbritannien ist das Ertragspotenzial allerdings wahrscheinlich geringer als in den USA.

Anlegerinnen und Anleger sollten auch die Konzentrationsrisiken bei globalen Aktien berücksichtigen. Die Sektoren Technologie und Kommunikationsdienstleistungen machen mittlerweile 37% des MSCI All Country World Index aus.

Eine Diversifizierung allein außerhalb der Technologiebranche und technologiebezogener Sektoren ist nicht ausreichend. Eine Abkühlung der KI-Branche hätte weitreichende wirtschaftliche Auswirkungen, und die Bewertungsrisiken sind breit gestreut. Während der Dotcom-Ära boten zyklische Sektoren Schutz. Seit 2022 sind die Bewertungen zyklischer Sektoren (mit Ausnahme des Technologiesektors) jedoch vom 13-Fachen auf das 22-Fache der für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinne gestiegen. Diese Sektoren sind daher anfällig, wenn ein Überangebot an KI-Infrastruktur das Wachstum verlangsamt.

Defensive Sektoren weisen nach einer Phase der Underperformance nun wenig anspruchsvolle Bewertungen auf. Da ihre Gewinne weniger stark an den Ausbau der technologischen Infrastruktur und die allgemeine Wirtschaftstätigkeit gebunden sind, sind diese Sektoren besser vor einem möglichen Abschwung im Technologiesektor geschützt (siehe Abbildung 31). Portfolios mit einem hohen Anteil defensiver Aktien dürften sich daher als relativ widerstandsfähig erweisen, sollte die KI-Euphorie nachlassen.

Durch Freigiebigkeit verursachte Inflation

Das zweite Hauptrisiko ist die Inflation. Eine lockere Fiskalpolitik setzt die Anleihenmärkte unter Druck, da das Angebot an Anleihen steigt, während sich die Kreditwürdigkeit der Staaten verschlechtert. Staatlicher Konsum kann die Inflation anheizen, wenn er mit einer starken privaten Nachfrage oder Versorgungsengpässen zusammenfällt. Eine solche Inflation könnte entweder in Form eines akuten Schocks oder als chronisch schleichender Prozess auftreten. In jedem dieser Szenarien sind jeweils unterschiedliche Vermögenswerte am besten positioniert.

Akute Inflation: Lehren aus dem Jahr 2022

Wie bereits erwähnt, sind wir besorgt, dass eine zu großzügige Fiskalpolitik zu einem erneuten Anstieg der Inflation führen könnte. Steuerrückerstattungen aus dem „One Big Beautiful Bill” sowie mögliche weitere Konjunkturmaßnahmen vor den Zwischenwahlen könnten in der US-Wirtschaft zu einem nachfragebedingten Preisdruck führen. Und auch wenn die aktuelle Entwicklung der Handelspolitik harmlos erscheint, sind die vollständigen inflationären Auswirkungen der Zölle noch nicht zu spüren. Zudem besteht weiterhin das Risiko von Störungen auf der Angebotsseite durch neue US-Zölle oder Vergeltungsmaßnahmen der Partnerländer.

In diesem Szenario könnte die US-Notenbank gezwungen sein, ihren Zinssenkungszyklus zu beenden und die Zinsen möglicherweise anzuheben, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren. Steigende Anleiherenditen würden eine umfassende Neubewertung von Vermögenswerten erzwingen und die öffentlichen Märkte belasten.

Sachwerte wie Nutzholz und Kerninfrastrukturen würden während eines akuten Inflationsschocks den besten Schutz bieten (siehe Abbildung 32). Traditionelle Inflationsdiversifizierer wie Immobilien und inflationsgebundene Anleihen hätten es schwer, da die Einkommensanpassungen die Kapitalverluste nicht ausgleichen würden. Der rohstofflastige FTSE 100 dürfte dagegen andere Aktienmärkte übertreffen.

Chronische Inflation: Aushöhlung der realen Erträge

Die Inflation könnte sich weniger als kurzer, heftiger Schock, sondern vielmehr als schleichendes Problem erweisen, bei dem das Ziel Jahr für Jahr knapp verfehlt wird. In den 1950er- und 1960er-Jahren gelang es den Regierungen sehr erfolgreich, ihre Schulden durch eine Reihe kleiner Inflationsüberraschungen zu verringern. Durch nominale Zinssätze unterhalb des nominalen BIP-Wachstums wurde die Schuldenlast langsam von den Steuerzahlern auf die Anleihegläubiger verlagert, deren Erträge durch die Inflation aufgezehrt wurden.

Bei einer chronischen Inflation besteht daher eher die Gefahr einer allmählichen Aushöhlung der realen Erträge als einer schnellen Neubewertung. In der Vergangenheit haben Immobilien in Zeiten chronischer, schleichender Inflation besser abgeschnitten als Aktien, während inflationsgebundene Anleihen ihre nominalen Pendants übertroffen haben (siehe Abbildung 33). Bleiben hohe anfängliche Kapitalverluste aus, können die mit den Ertragsströmen dieser beiden Vermögenswerte verbundenen Inflationsanpassungen dazu beitragen, die realen Erträge zu schützen.

Gold ist ein weiterer Vermögenswert, den es sich zu berücksichtigen lohnt. Aufgrund seiner Eigenschaft als Wertspeicher ist das Edelmetall in Zeiten chronischer Inflation ein wichtiger Diversifizierer für ein Portfolio. Es dient auch als Absicherung gegen Bedenken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von US-Institutionen oder Risiken im Zusammenhang mit Fiatwährungen. Sollte die Glaubwürdigkeit der US-Institutionen infrage gestellt werden, würde dies die Goldnachfrage wahrscheinlich stützen. Internationale Reserveverwalter würden dann ihre Anlagen diversifizieren und sich vom Dollar abwenden.

Die Effektivität von Gold als Diversifizierungsinstrument gegen akute Inflationsschocks ist allerdings uneinheitlich. Ende der 1970er Jahre, als die Anlegerinnen und Anleger stark auf die Inflation fokussiert waren, wurden die durchschnittlichen Erträge durch eine gute Performance angekurbelt. Als die Inflation 1990 und 2022 jedoch überraschend stark anstieg, fielen die Erträge negativ aus. Diese durchwachsene Performance erhöht das Risiko, dass Anlegerinnen und Anleger, die Gold als Schutz vor einem Inflationsschock einsetzen, enttäuscht werden könnten.

Fazit

In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die geld- und fiskalpolitischen Impulse weiterhin für ein Wirtschaftswachstum sorgen werden. Es besteht jedoch die Gefahr, dass „übermäßige“ politische Maßnahmen entweder zu einer Vermögensblase oder zu Inflation führen. Anlegerinnen und Anleger sollten sorgfältig darüber nachdenken, wie sie sich gegen solche Entwicklungen absichern können.

Um sich gegen Einbrüche bei Technologiewerten abzusichern, sollten Anlegerinnen und Anleger erstklassige Anleihen mit langer Laufzeit sowie defensive Aktiensektoren in Betracht ziehen. Um sich gegen Inflationsrisiken abzusichern, sollten Anlegerinnen und Anleger einen angemessenen Anteil ihres Portfolios in alternative Anlagen investieren. Diese sollten das Portfolio sowohl bei akuter als auch bei chronischer Inflation stützen.

 





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