Value spielt in Europa wieder eine Rolle. In den letzten fünf Jahren haben die Erträge von Value-Anlagen Growth-Titel deutlich übertroffen. Der MSCI Europe Value Index erzielte 2025 einen Rekordertrag gegenüber dem MSCI Europe Growth Index. Während dieses neue Value-Umfeld in Europa an Form gewinnt, identifizieren wir im Rahmen unserer Europe Strategic Value Strategy nach wie vor attraktive langfristige Chancen.
Ein förderliches Umfeld für Value-Anlagen
Als Value-Manager halten wir den Ausblick für attraktiv. Wir ignorieren weder das schwierige gesamtwirtschaftliche und geopolitische Umfeld, noch behaupten wir, dass dem Value-Stil nach fünf Jahren hoher relativer Erträge keine kurzfristigen Rückschläge bevorstehen. Die Vergangenheit spricht aber dafür, dass die Dominanz von Value am Markt anhalten könnte.
In den letzten 50 Jahren gab es im Grunde nur eine Phase, in der Value-Anlagen eine langfristige Underperformance verzeichneten: vom Ende der globalen Finanzkrise im Jahr 2009 bis zur Erholung von der Pandemie im Jahr 2021. Dieser Zeitraum war von ultraniedrigen Zinsen und einer Gesamtwirtschaft geprägt, die Growth-Anlagen wesentlich mehr zugeneigt war. Wenn wir uns jetzt in einem normalisierten Zinsumfeld befinden, könnten die Märkte einen reinen Value-Ansatz weiterhin belohnen.
Trotz der ausgeprägten Value-Rally der letzten Jahre sind die Bewertungsspreads zwischen teuren und günstigen Aktien in Europa ungewöhnlich weit. Tatsächlich waren diese Niveaus zuletzt auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise zu beobachten. Dies ist ein wichtiger Aspekt für die Portfoliokonstruktion: Europäische Value-Titel können sowohl eine Chance auf eine Rückkehr zum Marktdurchschnitt als auch eine beträchtliche Diversifikation bieten. Dies gilt insbesondere für Anlegerinnen und Anleger, die ein großes Engagement in US-Wachstumswerten aufweisen. Der MSCI Europe Value Index zeigte in der Vergangenheit eine sehr niedrige Korrelation mit dem Russell 1000 Growth Index. Während die Anlegerinnen und Anleger ihre konzentrierten Positionen in US-Technologie- und KI-Aktien überdenken (wo die Bewertungen weiterhin ausgereizt erscheinen), besteht eindeutig Spielraum für eine weitere Normalisierung der europäischen Value-Spreads.
Value-Fallen vermeiden
Auch wenn der Value-Stil wieder hoch im Kurs steht, sind Value-Aktien auf den ersten Blick keine offensichtlich guten Anlagen. Sie sind günstig, weil sie am Markt unbeliebt sind und wahrscheinlich aufgrund von unternehmens- oder branchenspezifischen Herausforderungen herabgestuft wurden. Um Aktien zu finden, bei denen eine Bewertungskorrektur nach oben möglich ist, und um Aktien zu vermeiden, die aus gutem Grund günstig bewertet sind, suchen wir nach Unternehmen, die nicht nur niedrige Cashflow- und Gewinnkennzahlen aufweisen, sondern auch von einer positiven operativen Dynamik und eindeutigen Qualitätsmerkmalen profitieren. Dieser Ansatz hilft dabei, Value-Fallen zu umgehen, die sonst wie ein Sprengsatz in Ihrem Portfolio wirken und ohne Vorwarnung explodieren können.
Der Umgang mit den unangenehmen Dingen will gelernt sein
Ein Bereich, in dem wir inzwischen Value-Chancen identifizieren, sind europäische Telekommunikationswerte. Der Sektor hat in den letzten 15 Jahren größtenteils eine Underperformance erzielt, da er durch den Druck auf Preise und Volumina belastet war. Das ist natürlich kein angenehmer Ausgangspunkt für eine Anlage. Dennoch sind wir vor Kurzem eine Übergewichtung in dem Sektor eingegangen. Uns überzeugten die allmählichen Anzeichen für bessere Preise, eine wachsende Konsolidierung und die defensiven Merkmale, die Telekommunikationsaktien in den ungewissen Märkten von heute bieten.
Unter den europäischen Telekommunikationsanbietern sind wir von der Deutschen Telekom besonders überzeugt. Dabei handelt es sich um eine preiswerte Aktie, die eine hohe FCF-Rendite, eine günstige Bewertung und einen attraktiven Gesamtertrag aus Kapitalrückflüssen bietet, die auf Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufen basiert. Die Aktie ist jedoch fundamental robust und wird neben einer starken Position am Heimatmarkt auch durch Wachstumschancen im T-Mobile-Geschäft in den USA gestützt. Außerdem verbessert das Unternehmen seine Bilanzposition, indem es seine Schulden abträgt.
Übergewichtungen von Energie und Banken
Neben dem Telekommunikationssektor identifizieren wir auch weiterhin Chancen in der Energiebranche. Wir sind in Energieaktien bereits seit dem dritten Quartal 2025 übergewichtet, also schon vor der Sperrung der Straße von Hormus, als steigende Öl- und Gaspreise die Cashflows und Gewinnprognosen im gesamten Sektor nach oben trieben. Damals war die Anlage in Energieunternehmen alles andere als angenehm: Der Sektor hatte in den zwei Jahren zuvor eine erhebliche Underperformance erzielt, und Befürchtungen hinsichtlich eines Überangebots setzten die Ölpreise unter Druck.
Inzwischen ist die Lage aufgrund des Irankonflikts eine völlig andere. Das Aufwärtspotenzial für die Cashflows und die Aktienkurse von Energieunternehmen erscheint sehr attraktiv. Unsere Analyse spricht dafür, dass die FCF-Renditen im Sektor in diesem Jahr auf über 20% steigen könnten, sollte die Unterbrechung des Seewegs durch die Straße von Hormus längere Zeit andauern.
Eine weitere wichtige Position für den Fonds ist der Bankensektor, den wir seit Oktober 2020 übergewichten. Das war damals ebenfalls keine offensichtliche Entscheidung, da sich europäische Banken seit über einem Jahrzehnt unterdurchschnittlich entwickelt hatten. Der Sektor hat sich seitdem aber deutlich erholt, da die Gewinne durch die Normalisierung der Zinsen gestiegen sind.
Zuletzt haben Banken angesichts der Risikoaversion aufgrund des Iran-Konflikts eher verhaltene Erträge erzielt. Einige Beobachter ziehen Parallelen zu der schlechten Performance des Sektors während der russischen Invasion in die Ukraine im Jahr 2022. Wir sind jedoch der Ansicht, dass die Lage heute eine ganz andere ist: Nicht nur weisen die europäischen Banken keinerlei direktes Engagement in Bezug auf den Iran auf – sie profitieren in diesem Konflikt auch von einem positiven Zinsumfeld und einer stärkeren Kapitalposition. Trotz der langfristigen Outperformance ist die relative Bewertung des Bankensektors mit einem Abschlag von 40% gegenüber dem Markt nach wie vor attraktiv. Es spricht also vieles dafür, vorsichtig zu sein, aber nicht zu kapitulieren. Wir halten an unserer Übergewichtung fest, da die Banken Europas weiterhin von besseren Fundamentaldaten getragen werden.
Reines Stil-Engagement in Europa
Die Allokation in einer Strategie, die über den gesamten Marktzyklus hinweg ein reines Value-Engagement in Europa bieten kann, kann die Portfoliodiversifikation verbessern und die langfristigen risikobereinigten Erträge steigern.
